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Nachgefragt: Interview mit Sussan Ipaktschi

Jeden Monat stellen wir drei Fragen zur Fairen Woche an eine Person aus der Fair-Handels-Bewegung.

In der heutigen Ausgabe sprechen wir mit Sussan Ipaktschi - Vorständin im Forum Fairer Handel, erfahrene Bildungsreferentin und tätig in der ambulanten Jugendhilfe. Sie begleitet das Thema Bildung im Fairen Handel schon seit vielen Jahren und daher haben wir von ihr wissen wollen, welche Rolle die Bildungsarbeit im Fairen Handel sowohl im Globalen Norden als auch Süden spielt und was ihre schönste Aktion im Rahmen der Fairen Woche war.

 

Liebe Sussan, eine der drei Säulen des Fairen Handels ist die Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Worin besteht die Bildungsarbeit hier in Deutschland und warum ist dies so wichtig?

Von Anfang an war es im Fairen Handel die Absicht nicht nur die Produzent*innen im Globalen Süden zu unterstützen, sondern insgesamt strukturelle Ungerechtigkeiten zu verändern. Dazu braucht es vor allem ein Umdenken bei uns im Globalen Norden, dort wo unsere Wirtschaft und unsere ganze Lebensweise von der Ausbeutung im Globalen Süden „profitiert“. Die Bildungsarbeit ist dabei der Schlüssel, um etwas in den Köpfen der Menschen zu verändern, um Bewusstsein zu schaffen für die Dinge, die falsch laufen und um das Entwickeln von Alternativen möglich zu machen. Der Faire Handel ist eine solche Alternative. Das besondere an der Bildungsarbeit im Fairen Handel ist, dass sie das Handlungsangebot gleich mitliefert, und nicht beim Aufzeigen des Negativen stehenbleibt. Damit wirkt sie gleichzeitig gegen die Hilflosigkeit und Ohnmacht, die oft herrscht, wenn man sich mit solchen globalen Themen und grundsätzlichen Missständen in der Welt beschäftigt.
Zusammen mit vielen anderen, oft kleinen und sehr konkreten Initiativen, die es erfreulicherweise inzwischen gibt, kann der Faire Handel so in kleinen Schritten etwas bewirken, auch hin zu einer Transformation unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozesse, die wir für eine zukunftsfähige Welt benötigen. Dabei gehören der Faire Handel und die Bildungsarbeit zusammen, beides ist für mich nicht voneinander trennbar.

Bildung spielt vor allem in den Ländern des Globalen Südens eine wichtige Rolle. Welchen Beitrag leistet dort der Faire Handel und welche Bedeutung hat dies für die Menschen vor Ort?

Bei einigen Besuchen bei Produzentenorganisationen haben wir gefragt, was den Produzierenden am Wichtigsten ist; was sie sich an Veränderung durch den Fairen Handel wünschen. Und immer kam die Antwort „Bildung für unsere Kinder“. Das hat mich sehr beeindruckt. Deutlich wird dies auch dadurch, dass mit der Prämie, dem Mehrpreis des Fairen Handels, sehr oft Schulen gebaut werden. Oft ist es so, dass sogar die Kinder auf dem Land die Möglichkeit haben eine Grundschule zu besuchen, auch wenn sie mehrere Stunden zu Fuß dahin zurücklegen müssen. Aber meist fehlt es dann an einer Bildungseinrichtung zur weiteren Schulbildung. Viele Kooperativen haben mit Hilfe des Fairen Handels solche Schule errichtet, für ihre Kinder und die der gesamten Umgebung.
Eine Teepflückerin hat uns einmal geantwortet: „Ihr wollt wissen, wie der Faire Handel bei uns gewirkt hat? Dann schaut unsere Kinder an, meine Tochter studiert Jura in der Stadt“.

Dies ist eine Perspektive auf die Bildung im globalen Süden, die Andere betrifft die Bauern und Bäuerinnen selbst. Der Zusammenschluss in Kooperativen und Genossenschaften ermöglicht es ihnen Fortbildungen zu organisieren und sich zu vernetzen. Sie entwickeln dadurch ihr Wissen über bessere und ökologischere Anbau- und Vermarktungsmethoden sowie das Geschehen im Welthandel. Dadurch sind sie den ausbeuterischen Strukturen nicht mehr ausgeliefert, sondern gestalten ihre Handelsbeziehungen selbst mit.

Du begleitest die Faire Woche ja nun auch schon seit einigen Jahren. Was war für dich eine besonders schöne Aktion, die dir in Erinnerung geblieben ist?

Das ist gar nicht so einfach, es gibt ja so viele tolle und kreative Aktionen jedes Jahr. Aber ganz spontan erinnere ich mich an ein „Menschenkickerturnier“ (wie Kickern nur mit Menschen statt mit Figuren). Das ist schon einige Jahre her, und wurde von den Jugendverbänden des Diözesanverbands Aachen organisiert. Es war wirklich etwas Besonderes, und hat gezeigt, dass gute Bildungsarbeit vor allem Spaß machen muss!