Nachgefragt: Interview mit Saskia Bellem

Jeden Monat stellen wir drei Fragen zur Fairen Woche an eine Person aus der Fair-Handels-Bewegung – diesmal an Saskia Bellem.

Sie ist als Projektleiterin für die Kampagne #eintshirtzumleben zuständig, einer Solidaritäts- und Bildungskampagne von FEMNET. Saskia erzählt im Interview, was es mit der Aktion auf sich hat und warum Nachhaltigkeit in der Mode hat ganz viel mit Wertschätzung zu tun hat.

 

Was steckt hinter der Kampagne #eintshirtzumleben?

Nachhaltigkeit in der Mode hat ganz viel mit Wertschätzung zu tun.Das wollen wir mit der Solidaritäts- und Bildungskampagne #eintshirtzumleben zeigen: Ein T-Shirt ist ein Wertstoff, darin stecken Ressourcen, Energie, weite Wege. Es wird von einem Menschen gefertigt, ist Handarbeit, kommt nicht aus dem 3D-Drucker. Doch viele der Näher*innen im sog. Globalen Süden können von ihrer Arbeit schlecht oder nicht leben, weil T-Shirts bei uns zu billig verkauft werden. Deshalb dreht sich diese Kampagne um das T-Shirt als DAS Symbol für fastfashion.

Wie kann man sich beteiligen?

#eintshirtzumleben ist für FEMNET etwas ganz Neues: die erste Kampagne, die rein in Deutschland und gestützt durch Social Media läuft. Dort sammeln wir Geschichten von Lieblings-T-Shirts.

Denn Wertschätzung heißt auch, dass wir hegen und pflegen, was wir bereits besitzen. Deshalb rufen wir dazu auf, unter #eintshirtzumleben das Lieblings-T-Shirt zu zeigen und kurz zu erzählen, was das Besondere daran ist. Verbinden lässt sich das mit einem Gruß an die "unbekannten Näherinnen", die wir in Handyvideos vorstellen.

Im März starten wir Phase zwei der Kampagne mit einer großen Kunst&Kreativ-Aktion: Kreative Menschen können ein selbst upgecyceltes T-Shirt auf unserer Kampagnenseite posten. Wir wollen zeigen: Durch das Upcycling entsteht eine Aufwertung des T-Shirts, wird es wertvoll(er). Dann gibt's mit Glück sogar etwas zu gewinnen:

16 national und international bekannte deutsche Künstler*innen haben uns T-Shirt-Kunstwerke gespendet, die wir im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln ausstellen und am Rana Plaza Gedenktag zum Ende der Fashion Revolution Week (24. April) unter allen Upcycler*innen fairlosen.

Die Faire Woche 2022 widmet sich menschenwürdiger Arbeit in der Textilproduktion. Was können Engagierte tun, um für mehr Nachhaltigkeit in der Textilproduktion einzustehen?

Wieso nicht mal was Neues ausprobieren? Die Faire Woche ist ein überschaubarer Zeitraum, innerhalb dessen bundesweit ganz vieles angeboten wird – virtuell oder vor Ort. Einfach mal mutig sein und zum ersten Mal an einem Kleidertausch mitmachen: Kleidung wechselt im Tausch die Besitzerin, ganz nach dem Motto „one woman’s trash, another woman’s treasure“ ????

Oder ich gehe erstmals in ein Repair-Café und lasse mir dabei helfen, den Riss in der eigentlich noch guten Hose mit einem coolen Flicken zu versehen, statt sie ein Schattendasein in Reihe 2 des Kleiderschranks fristen zu lassen. Von dem Geld, das ich mir für eine neue Hose spare, könnte ich schön Essen gehen und einen lieben Menschen dazu einladen.

Ich persönlich kann keine Nähmaschine bedienen, würde es aber gerne lernen. Das wäre doch ein tolles Projekt! Über den Zeitraum der Fairen Woche setze ich mich jeden Tag eine halbe Stunde an die Maschine und übe. Und da ich keine Nähmaschine habe oder direkt kaufen will, borge ich mir eine. Dazu kann ich mich in Netzwerken wie nebenan.de umsehen, wo sich immer hilfreiche Menschen in der unmittelbaren Nachbarschaft finden, die mir eine borgen oder zeigen, wie’s geht.

So vieles ist unentgeltlich oder gegen Tausch von Zeit und Kenntnissen möglich. Ein schöner Gedanke eigentlich, dass wir im Miteinander nicht nur voneinander lernen, sondern auch miteinander Nachhaltigkeit leben können.

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