Jahresthema "Gemeinsam für ein gutes Klima"

Der Klimawandel ist weltweit die größte Herausforderung für die Menschheit. Jedoch sind die Menschen unterschiedlich stark von den Auswirkungen betroffen und besonders für die Menschen im Globalen Süden ist der Klimawandel das drängendste Problem. Er führt dazu, dass große Gebiete für Menschen unbewohnbar werden, sich die Bedingungen für die landwirtschaftliche Nutzung deutlich verschlechtern oder diese gar unbrauchbar werden. 

Politik, Wirtschaft und die Zivilgesellschaft weltweit müssen gemeinsam daran arbeiten, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Vor allem die Verbrennung fossiler Brennstoffe, eine klimaschädliche industrielle Landwirtschaft bzw. unangepasste Landnutzungsformen wie Brandrodung führen dazu, dass die natürliche Erderwärmung der Erdatmosphäre zunimmt.

Die CO2-Emissionen lagen im Jahr 2015 pro Kopf weit über dem Durchschnittswert von 2 Tonnen pro Jahr, der für das Weltklima verträglich wäre. So wurden in Deutschland pro Kopf rund 9,9 Tonnen, in China 7,5 Tonnen und in den USA gar 17 Tonnen CO2 ausgestoßen.

Auswirkungen des Klimawandels

Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen den gesamten Globus – in unterschiedlicher Form und unterschiedlichem Ausmaß. Dürre, extreme Regenfälle, heftige Stürme sind nur einige der Folgen, die häufig zahlreiche Todesopfer, große Zerstörung und hohe Folgekosten nach sich ziehen. Weltweit macht sich der Klimawandel u.a. in Form von steigenden Durchschnittstemperaturen, steigenden Meeresspiegeln bemerkbar. Viele Menschen werden durch den Klimawandel aus ihrer Heimat vertrieben (dreimal so viele wie durch Krieg und Gewalt). Frauen sind von den Folgen des Klimawandels in besonderer Weise betroffen, da sie in vielen Kulturen für die Ernährung der Familien zuständig sind und durch den Klimawandel die Produktion und Beschaffung der Lebensmittel erschwert wird.

Besonders betroffen vom Klimawandel sind die Länder des Globalen Südens, die oftmals nicht über die Mittel verfügen, um sich gegen dessen Folgen zu wappnen – meist sind es die Länder, die am wenigsten zur Entstehung des Klimawandels beigetragen haben. Vor allem kleinbäuerliche Betriebe leiden unter den veränderten klimatischen Bedingungen. Regen- und Erntezeiten verschieben sich oder bleiben ganz aus. Schädlinge und Pflanzenkrankheiten treten vermehrt auf und ziehen die Produktivität der Pflanzen in Mitleidenschaft.

Kleinbäuer*innen und ihre Familien, die von der landwirtschaftlichen Produktion abhängig sind, haben finanzielle Einbußen und sind in ihrer Existenz bedroht. Um überleben zu können, verlegen sie, je nach finanziellen, geografischen und eigentumsrechtlichen Möglichkeiten, ihre Pflanzungen in höhere Regionen. Dafür werden neue Flächen gerodet, wodurch die Zerstörung der natürlichen Ressourcen und letztlich auch der Klimawandel weiter zunehmen. Gibt es diese Möglichkeiten nicht, dann müssen die Menschen ihre Betriebe aufgeben und in die Städte oder andere Regionen abwandern.

Die durch den Klimawandel verursachten Probleme im Süden haben auch Auswirkungen auf den Globalen Norden.

Auch in Deutschland macht sich der Klimawandel durch steigende Temperaturen, mildere und feuchtere Winter und eine Zunahme von extremen Wetterereignissen bemerkbar. Davon ist besonders die Landwirtschaft betroffen, z.B. durch Hagelschäden bei Obst, Frostschäden etc. Diese haben zur Folge, dass weniger Ertrag mit schlechterer Qualität geerntet werden kann. Auch Insekten sind von den veränderten Bedingungen betroffen. Fallen sie für die Bestäubung der Wild- und Nutzpflanzen aus, hätte das massive Auswirkungen auf die Ernteerträge weltweit. Für einzelne Produkte können sich steigende Temperaturen auch positiv auf die Erträge auswirken.

Herausforderungen für die Handelspartner

Zahlreiche Handelspartner des Fairen Handels sind vom Klimawandel unmittelbar betroffen, denn Pflanzen wie Kakao und Kaffee reagieren sehr sensibel auf Temperaturveränderungen. Durch zu spät einsetzenden Regen haben einige südamerikanische Länder in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge bei den Kaffeeernten verzeichnet. Hinzu kommt, dass durch den späteren Regen der Kaffee nicht wie üblich in der Sonne getrocknet werden konnte, was zu starken Qualitätsverlusten führt. Abgesehen von den Auswirkungen auf die Produkte des Fairen Handels beeinträchtigt der Klimawandel auch die Produktion von Lebensmitteln für den Eigenbedarf und somit das Leben der Produzent*innen.

Gegenmaßnahmen

Der Klimawandel steht seit über 40 Jahren auf der politischen Agenda. 1979 fand die erste Weltklimakonferenz in Genf statt, bei der u.a. das Weltklimaprogramm der Vereinten Nationen ins Leben gerufen wurde. Entschiedene Schritte gegen den Klimawandel wurden jedoch vor allem aufgrund des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Widerstands gegen einschneidende Maßnahmen bislang nicht unternommen.

Erst die Klimakonferenz Ende 2015 in Paris gilt international als Durchbruch bei den Bemühungen, den Klimawandel zu begrenzen. Das dort beschlossene Klimaabkommen verpflichtet alle Länder zum Klimaschutz, nicht nur die Industriestaaten. Die Staatengemeinschaft hat verbindliche Klimaziele vereinbart, u.a. die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad bzw. möglichst 1,5 Grad sowie die Reduzierung der globalen Nettotreibhausgasemissionen auf 0 ab dem Jahr 2015.

Zur Erreichung der Klimaziele haben die einzelnen Staaten zahlreiche Maßnahmen ergriffen, z.B. zum Ausbau der erneuerbaren Energien, zur energetischen Altbausanierung, zur Förderung von Elektromobilität etc. Wissenschaftler*innen bemängeln, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um die beschlossenen Klimaziele zu erreichen. Dafür ist ein entschlossenes Handeln aller Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene erforderlich.

In der Landwirtschaft zeigen kleine und ökologisch wirtschaftende Betriebe, dass eine klimaschonende Landwirtschaft möglich ist – z.B. mit geschlossenen Stoffkreisläufen, mit einem an die Betriebsgröße angepassten Viehbestand, dem Verzicht auf intensiven Chemieeinsatz sowie durch seine bodenaufbauende, vielfältig strukturierte Wirtschaftsweise. Ökologisch bewirtschaftete Böden zeichnen sich durch eine höhere Speicherfähigkeit für Kohlendioxid, eine größere Stabilität durch stärkeren Humusaufbau sowie eine höhere Wasserspeicherkapazität bei Dürren, Flut aus.

Studien belegen, dass der Klimawandel in der deutschen Bevölkerung sehr präsent ist und als große Bedrohung wahrgenommen wird. Viele Menschen haben Änderungen an ihrem persönlichen Lebensstil vorgenommen und essen z.B. weniger Fleisch, bevorzugen Produkte aus ökologischer Landwirtschaft, fahren weniger Auto und nutzen erneuerbare Energien. Es muss aber auch festgestellt werden, dass trotz der gefühlten Bedrohung durch den Klimawandel die Zahl der Fluggäste in Deutschland und weltweit steigt. Auch die Anzahl der SUVs, die sich durch hohen Benzinverbrauch auszeichnet, nimmt zu.

Was können Sie tun?

Die Liste an Möglichkeiten, wie Sie Ihre eigene Konsum- und Lebensweise weniger klimaschädlich gestalten können, ist lang. Hier einige Ideen:

  • Wechseln Sie zu Ökostrom und Ökogas
  • Nutzen Sie in Eigenheimen erneuerbare Energien
  • Wirken Sie in Energiegenossenschaften mit
  • Beziehen Sie Lebensmittel, aber auch Kosmetik, Textilien und sonstige Produkte aus ökologischer Landwirtschaft
  • Kochen und essen Sie klimafreundlich; Essen Sie weniger oder kein Fleisch
  • Bauen Sie Lebensmittel selbst an oder kaufen Sie regional und saisonal ein
  • Fahren Sie mehr mit dem Rad und dem ÖPNV und weniger mit dem Auto
  • Fliegen Sie weniger; Vermeiden Sie Flüge innerhalb Deutschlands komplett
  • Konsumieren Sie weniger und genießen Sie bewusster
  • Achten Sie auf Qualität, Langlebigkeit und Reparierfähigkeit von Produkten

Strategien des Fairen Handels…

Der Faire Handel bemüht sich mit einem breiten Spektrum an konkreten Maßnahmen, dem Klimawandel entgegenzutreten. Sowohl im Globalen Süden als auch im Norden bemüht er sich um ein klimaschonendes Wirtschaften und unterstützt Kleinbäuer*innen bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels. Darüber hinaus engagiert er sich in verschiedenen Klimaschutz-Initiativen wie z.B. der Klima-Allianz und bringt Forderungen zur Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels auf die politische Tagesordnung.

Für die Produzent*innen spielt der Faire Handel eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel und dessen Bekämpfung. Das Spektrum der Leistungen reicht von technischen Maßnahmen (z.B. Bereitstellung von klimaresilientem Saatgut – wobei darauf geachtet werden muss, keine neuen Abhängigkeiten von der Saatgutindustrie zu schaffen) über Beratung (z.B. zu nachhaltigen Anbaumethoden) bis hin zu finanzieller Unterstützung (z.B. von Aufforstungsprojekten).

76 % der landwirtschaftlichen Produkte des Fairen Handels, die in Deutschland verkauft werden, stammten 2016 aus ökologischer Landwirtschaft, die nachweislich weniger CO2- und Stickoxid-Emissionen verursacht.

Fairtrade hat seit 2016 eigens den Fairtrade Climate Standard veröffentlicht und setzt diesen bereits mit Produzentenorganisationen in Indien und Lesotho mittels Projekten für energiesparende Öfen um. Die auf Basis dieses Standards generierten und fair gehandelten Emissionszertifikate werden von DHL zur Kompensation nicht vermeidbarer eigener Zertifikate genutzt. Fairtrade verlässt sich beim Problemfeld Klimawandel nicht alleine auf den Ansatz mittels Standards. Es wurde ein Klimaprogramm entwickelt, das vor allem über Weiterbildungen und Schulungen durch die Fairtrade-Produzentennetzwerke umgesetzt wird, aber auch durch konkrete Pilotprojekte und Anpassungsmaßnahmen vor Ort. Das Produzentennetzwerk Fairtrade Africa plant den Aufbau eine Climate Change Academy.

Naturland Landwirt*innen setzen verstärkt auf regenerative Energie, vorzugsweise Solar- und kleine Biogasanlagen. Agroforstsysteme auf Naturland Betrieben, besonders bei tropischen Dauerkulturen, führen zu mehr Artenvielfalt wie auch besserer Bodenstruktur und Beschattung der Kulturpflanzen. Naturland adressiert Klimaschutz an seine Naturland Fair Partner und fragt deren Leistungen zu Klimaschutz und Energieeinsparungen ab.

Auch in ihrem eigenen Wirkungsbereich bemühen sich viele Fair-Handels-Organisationen, möglichst klima- und ressourcenschonend zu wirtschaften. So beziehen alle Mitglieder des Forum Fairer Handel und TransFair Ökostrom; einige betreiben darüber hinaus eigene Photovoltaik- oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen. El Puente hat die Beleuchtung im Lagergebäude auf energiesparende LED-Beleuchtung umgestellt. Außerdem haben sie Maßnahmen ergriffen, um die beim Warentransport sowie bei Dienstreisen und den täglichen Wegen zum Arbeitsplatz entstehenden Emissionen möglichst gering zu halten. Nicht vermeidbare Emissionen gleicht die GEPA durch Aufforstungen bei einem Handelspartner aus, TransFair durch den Kauf von Fairtrade-Carbon Credits eines Projektes in Lesotho. TransFair, El Puente und GEPA haben ihren ökologischen Fußabdruck messen lassen und Anpassungen vorgenommen. Einige Fair-Handels-Organisationen fördern Kooperationen zwischen Fair-Handels-Akteuren und Naturschutzorganisationen, die z.B. regionalen Streuobstanbau fördern, indem sie Mischprodukte aus Zutaten aus dem Globalen Süden und dem Globalen Norden kombinieren, z.B. Apfel-Mango-Saft. Fair gehandelte Produkte aus dem Norden, die mit dem Naturland-Fair-Zeichen ausgezeichnet sind, stammen zu 100 % aus ökologischer Landwirtschaft und stehen somit für eine weniger klimaschädliche Landwirtschaft. TransFair engagiert sich in der Klimaallianz  und führt größere externe Veranstaltungen klimaneutral durch. Naturland ist Mitglied der Klimaallianz und des Round Table on Organic Farming & Climate Change.

Die Mitglieder des Forum Fairer Handel (FFH) sowie TransFair e.V. schließen sich den Forderungen zahlreicher Umweltorganisationen (z.B. Klima-Allianz) nach einer ehrgeizigeren Klimapolitik an. Das FFH fordert die Bundesregierung auf, alles zu tun, um das 1,5 °C-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es unabdingbar, die Treibhausgasemissionen bis 2050 um mindestens 95 % gegenüber 1990 zu reduzieren. Dafür müssen beispielsweise Maßnahmen für eine klimafreundlichere Landwirtschaft angestoßen werden, um den CO2-, Stickstoff- und Methangas-Ausstoß um 60 % bis 2050 zu reduzieren. Ein Weg dorthin ist eine konsequente Ausdehnung der ökologischen Landwirtschaft. Des Weiteren muss eine klima- und ressourcenschonende Wirtschaftsweise gefördert werden. Dies kann durch die Internalisierung von Kosten, durch die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen sowie mit sozialen und ökologischen Kriterien im Vergabegesetz erreicht werden.

Aus Sicht des Fairen Handels muss sich die deutsche Bundesregierung international für Klimagerechtigkeit und für die Rechte und Bedürfnisse der Betroffenen einsetzen. Vor allem Kleinproduzent*innen im Globalen Süden, die die Auswirkungen des Klimawandels besonders zu spüren bekommen, benötigen technische und finanzielle Unterstützung, um ihre Wirtschaftssysteme an die sich wandelnden klimatischen Bedingungen anpassen zu können. Global agierende Unternehmen müssen verpflichtet werden, entlang ihrer Lieferkette Menschenrechte und Umweltbelange zu berücksichtigen. Das schließt die Förderung klimaschonender Produktionsweisen wie die kleinbäuerliche, ökologische Landwirtschaft mit ein. Der Einsatz von Stickstoff muss reduziert weltweit reduziert werden und kohlenstoffreiche Böden sowohl national als auch international geschützt werden.

Der Faire Handel verfügt über viele Instrumente, die ein klimaschonenderes Wirtschaften befördern und Kleinproduzent*innen unterstützen, sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Um die Reichweite der Maßnahmen zu vergrößern, sind staatliche Unterstützungen erforderlich, sowohl im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit als auch von Seiten der Regierungen der betroffenen Länder. Den Industriestaaten, als größten Verursachern des menschgemachten Klimawandels, kommt hier eine besondere Verantwortung zu Teil. Weltweit muss es zu einer Intensivierung der Informations- und Bildungsarbeit über die Folgen des Klimawandels und individueller Handlungsmöglichkeiten kommen. Die deutsche Bundesregierung muss dies in der für Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen formalen, informalen und informellen Bildungssystemen verankern und finanziell absichern. Der Faire Handel hat in der Bildungsarbeit in den letzten 40 Jahren nachhaltige Strukturen in der schulischen- sowie außerschulischen Bildung aufbauen können und kann bei der Umsetzung von Bildungsmaßnahmen seinen Beitrag leisten.

Faire Woche kompensiert CO2-Ausstoß

Schon gewusst? Passend zum Jahresthema werden wir in diesem Jahr den im Rahmen der Fairen Woche entstandenen CO2-Ausstoß unserer Printmaterialien und der Flüge über die Klimakollekte kompensieren. Die Kompensationsgelder werden in ein Klimaschutzprojekt bei der Kagera Cooperation Union (KCU) in Tansania fließen. Durch energieeffiziente Tonherde wird dort der Holzverbrauch und somit der CO2-Ausstoß und die Abholzung des tansanischen Urwaldes reduziert. 

Mehr Informationen zum Projekt der KCU