Logo der Fairen Woche

Die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland

Nachgefragt: mit Maja Volland vom Forum Fairer Handel e.V.

Passend zum Aufhänger des heutigen Newsletters haben wir mit Maja Volland gesprochen. Sie arbeitet zum Thema Konzernmacht in Lebensmittellieferketten beim Forum Fairer Handel und ist dort auch Ansprechpartnerin für den Appell für mehr Fairness in der Landwirtschaft. 
 

Liebe Maja,

Worum geht es konkret in dem Appell für mehr Fairness in der Landwirtschaft? Welche Missstände oder Herausforderungen sollen damit adressiert werden?

Viele Erzeuger*innen in Deutschland und weltweit können von ihrer Arbeit nicht leben. Sie stehen vor großen Herausforderungen: Die Klimakrise und der Biodiversitätsverlust erfordern hohe Investitionen. Gleichzeitig geraten sie durch die zunehmende Marktkonzentration in Lebensmittellieferketten immer stärker unter Druck. Durch ihre Abhängigkeit von nur wenigen Abnehmern fehlt ihnen die Marktmacht, um Preise durchzusetzen, die ihre nachhaltigen Produktionskosten decken. Ohne faire Preise können Erzeuger*innen nicht in eine nachhaltige Landwirtschaft investieren und ihren Arbeiter*innen keine existenzsichernden Löhne zahlen. In Deutschland etwa beobachten wir derzeit die Debatte, dass es Ausnahmen vom Mindestlohn für Saisonarbeiter*innen braucht, da Landwirt*innen keinen Mindestlohn zahlen können. Das kann nicht die Antwort sein, denn es gibt ja durchaus Akteure, die in Lebensmittellieferketten hohe Gewinne erwirtschaften. Analysen zeigen, dass sich in Deutschland die Margen in Lebensmittellieferketten immer weiter verschieben – weg von der Landwirtschaft, hin zur verarbeitenden Industrie und dem Lebensmitteleinzelhandel. Letztere müssen Erzeuger*innen Preise zahlen, die mindestens ihre nachhaltigen Produktionskosten decken.

Wer steht hinter dem Appell? Welche Organisationen oder Akteur*innen aus Landwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft sind beteiligt?

Der Appell wird getragen von Organisationen der bäuerlichen Landwirtschaft, des Fairen Handels, der Entwicklungspolitik und des Umwelt- und Verbraucher*innenschutzes. Konkret dabei sind Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V., Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V., Romero Initiative e.V., Deutsche Umwelthilfe e.V., Fairtrade Deutschland e.V., FEMNET e.V., Forum Fairer Handel e.V., Global Nature Fund (GNF), Heinrich-Böll-Stiftung e.V., INKOTA-netzwerk e.V., Katholische Landvolkbewegung Deutschland, Naturland - Verband für ökologischen Landbau e.V., Oxfam Deutschland e.V. und Weltladen-Dachverband e.V.

Welche konkreten Veränderungen fordert der Appell – und was soll damit erreicht werden?

Erzeuger*innen brauchen endlich eine rechtliche Handhabe, um sich gegen das Drücken von Preisen unterhalb ihrer nachhaltigen Produktionskosten zu wehren. Dass hier Handlungsbedarf besteht, hat auch die EU-Kommission anerkannt. Mit der anstehenden Reform der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie) besteht jetzt die Chance, Erzeuger*innen in Preisverhandlungen zu stärken. Einige EU-Mitgliedsstaaten haben dies bereits getan und Preise unterhalb der Produktionskosten verboten, wie etwa Spanien.

Unsere Forderung: Die EU-Kommission muss die Überarbeitung der UTP-Richtlinie nutzen, um ein Gebot kostendeckender Einkaufspreise EU-weit zu regeln - und zwar auch mit Wirkung für Produzent*innen außerhalb der EU. Mit dem Appell fordern wir Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer dazu auf, sich dafür entschlossen einzusetzen.

Wie können sich Menschen und Organisationen beteiligen? Gibt es Möglichkeiten, den Appell zu unterstützen oder Aktionen dazu zu machen – zum Beispiel im Rahmen der Fairen Woche?

Ja, es gibt viele Möglichkeiten, den Appell zu unterstützen. Zum einen wäre es super, den Appell über Social Media zu verbreiten. Es können aber auch offline Unterschriften gesammelt werden, auch noch während der Fairen Woche. Neben Unterschriftenlisten gibt es Postkarten und ein Factsheet, mit denen bei Veranstaltungen oder Aktionen auf der Straße Werbung für den Appell gemacht werden kann. 
Weitere Informationen, die Möglichkeit, direkt online zu unterzeichnen und Printmaterialien zu bestellen, findest du beim Forum Fairer Handel oder bei Fairtrade Deutschland.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Maja!

Cookies & Drittinhalte

Social Media Feeds (juicer.io)
Google Maps
Videos (YouTube und Vimeo)

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden.

Alle akzeptieren Speichern Alle ablehnen