Nachgefragt: mit Jana Berger und Maria Theresia Herbold, Mitarbeiterinnen des Bundesverbandes der Regionalbewegung, im Team Tag der Regionen
Wir haben mit Jana Berger und Maria Theresia Herbold gesprochen, was der Tag der Regionen und der Faire Handel eigentlich gemeinsam haben.
Liebe Maria Theresia, liebe Jana, für alle, die den Tag der Regionen noch nicht kennen: Was genau steckt dahinter und was möchtet ihr mit den zahlreichen Aktionen in ganz Deutschland erreichen?
Der Tag der Regionen ist deutschlandweit seit 28 Jahren die bedeutendste Veranstaltungsplattform für regionales Wirtschaften und wird durch den Bundesverband der Regionalbewegung e.V. koordiniert. Über 1.000 Veranstaltungen machen dabei regionale Wertschöpfung, kurze Wege und nachhaltiges Wirtschaften erlebbar. Hoffeste, Märkte, Führungen, Aktionstage von Erzeugerbetrieben, Kommunen und Initiativen in ganz Deutschland zeigen: Durch regionale Vermarktung der Produkte, Transparenz in der Erzeugung und den direkten Austausch mit Verbraucherinnen und Verbrauchern schaffen sie eine enge Verbindung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft. Genau diese Verbindung möchte der Tag der Regionen sichtbar machen.
2026 steht der Tag der Regionen unter dem Motto „NAH versorgen – GUT für morgen“. Was bedeutet das ganz konkret – und warum sind starke regionale Strukturen für eine nachhaltige Zukunft so wichtig?
Das Motto bringt auf den Punkt, worum es 2026 geht: Regionale Nahversorgung ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft. Wenn Lebensmittel, Handwerk und Dienstleistungen vor Ort erhalten bleiben, stärkt das die regionale Wirtschaft, sichert Arbeitsplätze und schafft lebendige Städte und Dörfer. Gleichzeitig werden Abhängigkeiten von langen und störanfälligen Lieferketten verringert.
Starke regionale Strukturen sind deshalb so wichtig, weil sie Versorgungssicherheit, Lebensqualität und Wertschöpfung in den Regionen sichern. Sie ermöglichen kurze Wege, fördern den persönlichen Austausch und machen sichtbar, woher Produkte und Dienstleistungen kommen.
Mit dem diesjährigen Motto und dem Slogan „Heimat schmeckt“ knüpft der Tag der Regionen an die aktuelle Heimat-Agenda des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) an, das die Bedeutung regionaler Produkte und funktionierender regionaler Wirtschaftskreisläufe hervorhebt. Kurz gesagt: Wer regionale Strukturen stärkt, investiert in eine nachhaltige Zukunft vor Ort. Davon profitieren nicht nur die Menschen heute, sondern auch kommende Generationen.
Die Faire Woche richtet den Blick häufig auf globale Lieferketten, der Tag der Regionen auf das, was vor unserer Haustür passiert. Wo treffen sich Fairer Handel und Regionalität – und was verbindet eurer Meinung nach die beiden Ansätze?
Im Kern verfolgen beide Ansätze dasselbe Anliegen: Wertschätzung für die Menschen, die unsere Produkte erzeugen, ob am anderen Ende der Welt oder direkt vor der Haustür. Beide setzen sich dafür ein, dass die Menschen entlang der Wertschöpfungskette nachvollziehen können, woher Produkte kommen. Sowohl die Faire Woche als auch die Regionalbewegung stehen für Transparenz, faire Preise und die Frage, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden. Viele Lebensmittel, handwerkliche Erzeugnisse oder Dienstleistungen lassen sich regional beziehen und stärken damit die Wertschöpfung in der eigenen Region. Andere Produkte, wie beispielsweise Kaffee, Kakao oder Bananen, können dagegen nicht in Deutschland angebaut werden. Hier brauchen wir globale Lieferketten – aber faire.
Regional oder fair gehandelt – manchmal wird das als Gegensatz dargestellt. Warum greift diese Gegenüberstellung zu kurz? Und worauf sollten Verbraucher*innen beim Einkauf stattdessen achten?
Weil beide Prinzipien sich nicht ausschließen, sondern ergänzen. Regionalität sagt zunächst nur etwas über die Entfernung aus, nicht automatisch über faire Arbeitsbedingungen oder gerechte Preise, genauso wenig, wie „fair gehandelt" automatisch bedeutet, dass ein Produkt ökologisch oder mit kurzen Transportwegen produziert wurde. Beides sind wichtige, aber unterschiedliche Qualitätsversprechen. Verbraucher:innen sollten deshalb nicht zwischen „regional" oder „fair" wählen, sondern beide Kriterien im Blick behalten: Woher kommt das Produkt? Wie wurden die Menschen entlohnt, die es hergestellt haben?
Wo es beides gibt – regional und fair – ist das im Grunde die beste Kombination.
Die Faire Woche und der Tag der Regionen finden beide im September statt. Welche Möglichkeiten seht ihr für gemeinsame Aktionen vor Ort – und was können Engagierte aus dem Fairen Handel und aus regionalen Initiativen voneinander lernen?
Beide laden Menschen dazu ein, bewusster einzukaufen, hinter die Kulissen von Wertschöpfungsketten zu schauen und sich mit der Herkunft von Produkten auseinanderzusetzen. Gerade deshalb bieten sich viele gemeinsame Aktionen an: Faire Frühstücke mit regionalen Zutaten, Diskussionsveranstaltungen, Märkte, bei denen faire und regionale Produkte präsentiert werden, Stadtführungen oder Bildungsangebote, die sowohl globale als auch regionale Zusammenhänge sichtbar machen.
Der Faire Handel macht deutlich, welche Auswirkungen Konsumentscheidungen weltweit haben und warum gerechte Handelsbeziehungen so wichtig sind. Regionale Initiativen zeigen, welchen Beitrag regionale Wirtschaftskreisläufe, kurze Wege und direkte Beziehungen zwischen Erzeuger:innen und Verbraucher:innen für eine nachhaltige Entwicklung leisten können.
Nachhaltiger Konsum beginnt mit der Frage, woher Produkte kommen und unter welchen Bedingungen sie erzeugt werden. Manchmal lautet die Antwort regional, manchmal fair gehandelt und am besten sogar beides. Genau diese Perspektive können die Faire Woche und Tag der Regionen gemeinsam sichtbar machen.
Liebe Jana, liebe Maria Theresia, vielen Dank für das Gespräch.