Logo der Fairen Woche

Die größte Aktionswoche des Fairen Handels in Deutschland

Nachgefragt: Dr. Frauke Fischer, Biologin und Mitbegründerin von PERÚ PURO

In der heutigen Ausgabe unserer Interviewreihe haben wir mit Dr. Frauke Fischer gesprochen. Sie ist promovierte Biologin und Mitgründerin des anerkannten Fair-Handels-Lieferanten PERÚ PURO, der in diesem Jahr mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wird. Frauke Fischer ist Mitautorin des Buches „Was hat die Mücke je für uns getan? Endlich verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet“.

Frau Fischer, was bedeutet Vielfalt für Sie?

Vielfalt bedeutet für mich Inspiration, weil sie den Blick auf die Vielzahl von Lösungen lenkt, die uns begeistern können und Antrieb sein sollten.

Artenvielfalt und Biodiversität – ist das das Gleiche?

Nein, Biodiversität und Artenvielfalt sind nicht das Gleiche. Biodiversität bezieht sich auf die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten insgesamt und erstreckt sich über drei Dimensionen: Zum einen die genetische Vielfalt, also die Vielfalt und die Anzahl der Individuen innerhalb einer Art. Zweitens die Artenvielfalt, womit die Vielfalt der verschiedenen Arten gemeint ist und schließlich die Ökosystemvielfalt, also die Vielfalt von Lebensräumen und Prozessen, die Organismen dort miteinander verbinden. Artenvielfalt ist somit nur ein kleiner Teil der Biodiversität.

Warum ist Biodiversität wichtig für den Menschen?

Eine intakte Biodiversität ist Voraussetzung für die Bereitstellung von Ökosystemleistungen, also Leistungen, die die Natur für uns erbringt. Dazu gehören fruchtbare Böden, die Bestäubung von Nutzpflanzen, das Filtern von Luft und Wasser, aber auch die Regulation von Klima und Krankheiten. Der monetäre Wert dieser Leistungen überschreitet das weltweite Bruttosozialprodukt deutlich. Viel wichtiger ist aber, dass wir auf sie unbedingt angewiesen sind. Fallen sie aus, können wir sie gar nicht, oder wenn, dann nur sehr teuer und unzureichend ersetzen.

Wie steht es um die Biodiversität auf unserem Planeten?

Leider nicht gut. Wir haben in den letzten 50 Jahren 73 % aller Wirbeltiere und 80 % der Insekten verloren. Das Artensterben haben wir im Vergleich zum natürlichen Aussterben um den Faktor 1.000 beschleunigt – und das alles geht quasi ungebremst weiter, weil die meisten Politiker*innen und Unternehmen gar nicht wissen, wie die Zusammenhänge zu menschlichem Wohlergehen und wirtschaftlichem Wachstum sind.

Wie kann jede*r im Alltag zum Erhalt der Biodiversität beitragen?

Wenig kaufen und Dinge lange nutzen. Regionale, faire und saisonale Lebensmittel kaufen und den Konsum von tierischen Produkten, die nicht aus strenger Biolandwirtschaft kommen, möglichst ganz unterlassen. Aber auch darüber nachdenken, welche Bank eigentlich mein Geld hat und damit in Kohlekraftwerke oder in Biolandwirtschaft investiert. Am großen Hebel sitzen aber Politik und Unternehmen. Die müssen endlich aktiv werden! Die wichtigste Maßnahme wäre aus meiner Sicht die Einberechnung von Umwelt- und Sozialkosten in die Endpreise von Produkten und Dienstleistungen.

Cookies & Drittinhalte

Tracking (Matomo)
Social Media Feeds (juicer.io)
Google Maps
Videos (YouTube und Vimeo)

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden.

Alle akzeptieren Speichern Alle ablehnen