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Nachgefragt: Interview mit Dietmar Boos

Jeden Monat stellen wir drei Fragen zur Fairen Woche an eine Person aus der Fair-Handels-Bewegung.

In der aktuellen Ausgabe der Interview-Reihe "Nachgefragt" haben wir mit Pastor Dietmar Boos gesprochen. Er ist bei der Kindernothilfe Ansprechpartner für Kirche & Gemeinde. Er erstellt die Gemeindematerialien, vertritt die Kinderhothilfe in kirchlichen Gremien und verantwortet die kirchlichen Veranstaltungen. Seit 2009 ist er Mitgliedsvertreter der Kindernothilfe bei Fairtrade Deutschland und beteiligt sich jährlich mit Aktionen an der Fairen Woche. Wir haben ihn gefragt, was sein Appell zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit ist, was für ihn die Faire Woche ausmacht und welche Aktion er zur Fairen Woche 2021 plant.

 

Am 01. Juni ist internationaler Kindertag: Was ist Ihr Appell?

Im internationalen Jahr zur Abschaffung ausbeuterischer Kinderarbeit, das von der UN- Generalversammlung beschlossen wurde, wollen wir uns bei der Kindernothilfe besonders dafür stark machen, dass Regierungen ihre Bemühungen verstärken, das Ziel 8.7 der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) zu erreichen und die Situation arbeitender Kinder zu verbessern.
Die Corona-Pandemie erschwert dabei unseren Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Die Folgen für Millionen arbeitender Kinder sind katastrophal. Seit Beginn der Pandemie hat sich die körperliche Gesundheit und Ernährung arbeitender Kinder und Jugendlicher weiterhin verschlechtert. Kinderarbeit findet hauptsächlich in der Landwirtschaft statt. Aber bereits fünfjährige Kinder arbeiten in Bekleidungsfabriken und auf Baustellen sowie im Einzelhandel oder in Restaurants und Hotels. Offizielle Zahlen erfassen nicht alle arbeitenden Kinder, Gesetze und Regelungen sind oft unwirksam und realitätsfern. Besonders dramatisch: Von den 5- bis 14-Jährigen leistet über ein Drittel sogenannte ausbeuterische Arbeit, etwa in einer Ziegelei, im Steinbruch oder auf der Tabakplantage. Um möglichst nachhaltige und flexible Lösungen zu finden, müssen die betroffenen Kinder und Jugendlichen in relevante Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Deshalb wäre mein Apell: Unterstützen Sie uns im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit. Als Konsument*innen können wir hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Seit vielen Jahren machen Sie nun auch schon bei der Fairen Woche mit. Was ist für Sie das Besondere an der Fairen Woche und welches ist Ihr persönliches Veranstaltungs-Highlight der letzten Jahre?

Die Faire Woche rückt mit den vielfältigen Angeboten zum Schwerpunktthema den fairen Gedanken noch einmal anders in den Mittepunkt. Im Redaktionskreis der Ökumenischen Gottesdienstbausteine zur Fairen Woche setzen wir uns bereits ab Anfang Februar mit dem Thema auseinander und machen Gemeinden und kirchlichen Gruppen so ein zusätzliches inhaltliches Angebot. Im letzten Jahr waren die Gottesdienstbausteine zum ersten Mal so gestaltet, dass sie auch als Stationen-Andacht für eine "offene Kirche" nutzbar waren und eine Beteiligung ermöglichten.  

In der Kindernothilfe laden die FairFriends nach einer Andacht zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Die FairFriends sind Kolleg*innen aus den unterschiedlichen Referaten, die sich dem Fairen Handel besonders verbunden fühlen und über das Jahr inhaltliche Impulse setzten. Während des Frühstücks gibt es eine kleine Ausstellung zum Schwerpunktthema. Im letzten Jahr haben wir coronabedingt für eine Woche eine Stationen-Andacht in der Geschäftsstelle angeboten und für jede oder jeden lag eine kleine faire Überraschung bereit.

Ein besonderes Highlight war das Faire Frühstück in der Staatskanzlei in Düsseldorf, bei dem wir das Thema Kunsthandwerk mit fair gehandelten Edelmetallen angesprochen haben. Viele der Edelmetallvorkommen, die für die Schmuckherstellung genutzt werden, liegen im globalen Süden. Die Arbeiter*innen müssen oft stundenlang unter gesundheitsschädigenden Bedingungen arbeiten – vor allem Kinder, die aufgrund ihrer kleinen Statur besonders oft in Minenarbeit eingesetzt werden, leiden tagtäglich unter dieser schweren Form der Kinderarbeit. In Potosí in Bolivien unterstützt die Kindernothilfe ein Projekt, in dem die Situation von Kindern und Jugendlichen, die in einer Silbermine arbeiten, verbessert werden soll. Potosí ist eine Bergarbeiterstadt, in der sich die wichtigsten Bergwerke und Minen des Landes befinden. Durch Schulbildung und weitere Förderungen entstehen Alternativen zur Arbeit im Bergbau. Neben einer Ausstellung von fair gehandeltem Schmuck eines Kindernothilfepartners aus Mombasa/Kenia berichtete auch eine ortsansässige Schmuckdesignerin aus ihrer Praxis und dem Umgang mit fairen Edelmetallen. Ein Thema, mit dem sich Transfair Deutschland in den letzten Jahren auch ausführlich beschäftigt hat.  

Welche Aktion planen Sie dieses Jahr?

Faire Arbeitsbedingungen stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Fairen Woche und so werden wir hier auch einen besonderen Beitrag zum Thema leisten. Die Ökumenischen Gottesdienstbausteine thematisieren das Sabbatgebot und weiten unseren Blick von uns auf "unsere Mägde und Knechte", die für uns arbeiten. Oft tun sie dies nicht als Freie, sondern wie Mägde und Knechte – bis hin zu sklavenarbeitsähnlichen Lebensbedingungen. Dabei denke ich an den Jungen im Kongo, der für mein Handy die seltenen Erden geschürft hat und die Vielen, die in Bangladesch unsere Kleidung zusammennähen. In den biblischen Texten finden wir die besondere Liebe und Parteinahme Gottes zu den Menschen, die Unterdrückung, Benachteiligung und Leid erfahren. Und diese Parteinahme Gottes wird für uns zu einer Verpflichtung, die zu einer Absage an ein Wirtschaftssystem führt, das vor allem auf den Profit Weniger ausgerichtet ist. Deshalb geht es auch um eine Ethik des Genug, die uns zu einem Nachdenken bewegt, über unseren Ressourcenverbrauch. Alle sind wir angewiesen auf unsere Erde, auf Gottes Schöpfung.