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Nachgefragt: Interview mit Barbara Riek

Jeden Monat stellen wir drei Fragen zur Fairen Woche an eine Person aus der Fair-Handels-Bewegung.

In der aktuellen Ausgabe der Interview-Reihe "Nachgefragt" haben wir mit Barbara Riek gesprochen. Sie vertritt den Vorstand des Forums Fairer Handel in der Vorbereitungsgruppe der Fairen Woche. Während ihrer Berufstätigkeit begleitete sie als Referatsleiterin Inlandsförderung bei Brot für die Welt viele Jahre die Faire Woche – fördernd und interessiert beobachtend.

Wir wollten von ihr wissen, was für sie einen glücklichen Tag ausmacht, was das besondere an der Fairen Woche ist und wie der Faire Handel noch stärker zu einer sozial-ökologische Transformation beitragen kann.

 

Am 20. März ist Weltglückstag. Was macht für dich einen glücklichen Tag aus?

Die Corona-Krise hat bescheiden gemacht oder vielleicht auch hellsichtiger: Ich habe in den letzten Monaten gelernt, die Kontakte zu mir lieben Menschen mehr zu schätzen und zu pflegen. Es ist ein großes Glück, dass ich wenigstens elektronisch kommunizieren kann. Auf das noch viel größere Glück, wieder Menschen in den Arm nehmen zu dürfen, hoffe ich sehr.

Durch meine Mitarbeit bei der aktion #fairwertsteuer des Weltladen-Dachverbandes lerne ich auch das Glück der menschlichen Solidarität noch einmal ganz neu kennen. Ich bin begeistert von der Bereitschaft vieler Weltladenmitarbeiter*innen, in der Krise an die Produzent*innen ihrer Waren zu denken und sie zu unterstützen. Diese Solidarität ist ein echter Mehrwert des Fairen Handels und nicht nur für die Empfänger und Empfängerinnen der Hilfe beglückend, sondern auch für die Weltladengruppen hier (und für mich!).
 
2021 wird die Faire Woche 20 Jahre alt. Brot für die Welt unterstützt die Faire Woche seit vielen Jahren und so bist auch du schon früh mit
der Fairen Woche in Kontakt gekommen. Was ist für dich das besondere an dieser Aktionswoche?

Ich kann mich noch sehr gut an die erste Faire Woche erinnern, da sie in eine wichtige biografische und berufliche Umbruchphase fiel. Wir sind im August 2001 mit einem kleinen Büro der Inlandsförderung des Kirchlichen Entwicklungsdienstes von Stuttgart nach Bonn umgezogen und waren nun Teil des großen Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED). Wir versuchten uns in den ersten Wochen zu sortieren und einzurichten. Die Einweihungsfeier des neuen Gebäudes auf dem Hardtberg war für den 12. September geplant. Und dann kam der 11. September und alles war plötzlich anders.

Ich hatte schon lange vor dem Umzug bei den Organisatoren der Fairen Woche beantragt, dass das damalige "Aktionsmedium" – ein ausrangierter und umgebauter Schulbus – auf den Hardtberg kommen sollte, damit die vielen neuen Kollegen und Kolleginnen sehen würden, dass mit der Inlandsförderung nun auch die Unterstützung des Fairen Handels in das neue Werk eingezogen war. Zum Glück hat die Faire Woche trotz 9/11 stattgefunden, obwohl alle befürchtet hatten, dass alle Aufmerksamkeit sich auf die USA richtete (was so nicht eingetreten ist). Da stand also der alte Bus vor dem Haus, unser krawattenbewehrter Vorstand stieg zögernd ein und ließ sich den Fairen Handel erklären. Viele Kollegen*innen standen interessiert verwundert drumrum – es war halt schon ziemlich "alternativ". Die erste Faire Woche hat unsere Förderarbeit und den Fairen Handel in dem großen vielgestaltigen Werk sichtbar gemacht und Interesse geweckt (wenige Wochen später hatten wir auch unseren gut frequentierten Weltladen im Haus). Der EED und heute Brot für die Welt unterstützen den Fairen Handel, weil es eine praktische und unmittelbar einleuchtende Aktionsform ist, weil er mit seiner Standardsetzung eine Herausforderung für die sonstige Wirtschaftstätigkeit ist und weil er eindrucksvoll deutlich macht, dass es sehr vielen Menschen nicht egal ist, wie wir wirtschaften und sie sich einmischen und laut und deutlich Forderungen stellen – an Konsumenten*innen, an die Wirtschaft, an Verbände, an Kirchen und die Politik. Fairer Handel stärkt Zivilgesellschaft – ein wichtiges Anliegen kirchlicher Entwicklungsarbeit.

Ziel der Fairen Woche ist es, Menschen über unfaire Strukturen im Welthandel zu informieren und zum Engagement für mehr Gerechtigkeit  zu ermutigen. Wie kann der Faire Handel aus deiner Sicht (oder deiner Erfahrung nach) noch stärker zur sozial ökologischen Transformation bzw. dem dafür notwendigen Umdenken beitragen und insbesondere junge Menschen dafür begeistern?

Ich habe in meiner eigenen zunächst ehrenamtlichen und später beruflichen Arbeit in der entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationsarbeit viele Akteure, viele Slogans, viele Formate kommen und gehen sehen. Die Weltladenarbeit blieb. Ruhig und unspektakulär, manchmal auch ein bisschen behäbig. Ich habe gelernt, diese Treue und die Zuverlässigkeit zu schätzen. In der Fairen Woche tritt die Arbeit der Fair-Handels-Akteure einmal im Jahr ins Rampenlicht. Es wird deutlich, dass hier ganz "normale" Leute bereit sind, sich an Infotische, in Fußgängerzonen, in Schulen oder Gemeinden zu stellen und für ihr Anliegen einzutreten und sich zu exponieren. Das ist mutig. Sie übernehmen Verantwortung, mischen sich ein und rütteln auf. Das ist nötig. Die Veranstalter der Fairen Woche unterstützen die Veranstaltungen und Initiativen vor Ort, sie geben die Formate aber nicht vor. Das ist gut. Vielleicht sollte noch deutlicher kommuniziert werden, dass diese Offenheit eine Einladung zu Kreativität, Experimentierfreude, Fröhlichkeit und Aufmüpfigkeit ist. Vielleicht ist die Mitarbeit in einem Weltladen für viele junge Leute nicht das Richtige. Die Faire Woche mit ihrer Vielfalt und Buntheit ist eine Einladung (nicht nur, aber auch) an junge Menschen, ihre Formen der Solidarität, der Einmischung und politischen Beteiligung zu finden – Ideen gibt es genug.