Nachgefragt: mit Annika Jungbluth vom Weltladen-Dachverband e.V.
In der heutigen Ausgabe haben wir mit Annika Jungbluth vom Weltladen-Dachverband e.V. gesprochen. Dort ist sie für politische Kampagnen und den Weltladentag zuständig.
Liebe Annika,
der Weltladentag stellt in diesem Jahr Bananen, Orangen, Ananas und Mangos in den Mittelpunkt. Warum rückt ihr ausgerechnet diese Früchte in den Fokus?
Diese Früchte stehen exemplarisch für globale Lieferketten, in denen Machtungleichgewichte, Preisdruck und Arbeitsrechtsverletzungen besonders sichtbar werden. Sie gehören zu den meistgehandelten Früchten weltweit und gleichzeitig zu denen, bei denen Produzent*innen oft am wenigsten vom Verkaufspreis erhalten. Mit ihnen lassen sich die strukturellen Probleme des Welthandels sehr konkret zeigen. Sie machen deutlich, warum gerechtere Strukturen dringend notwendig sind.
Große Plantagen und internationale Konzerne dominieren den Markt, während Kleinbäuerinnen und Kleinbauern oft nur einen kleinen Teil des Erlöses erhalten. Welche Veränderungen fordert ihr konkret – und wie kann der Faire Handel hier gegensteuern?
Wir fordern faire Preise, mehr Mitbestimmung für Produzent*innen und stabile, langfristige Handelsbeziehungen. Globale Lieferketten brauchen Transparenz und Regeln gegen unfaire Handelspraktiken, damit Machtungleichgewichte nicht weiter zementiert werden. Der Faire Handel zeigt, dass das möglich ist: durch langfristige Partnerschaften, stabile Abnahmepreise und die Stärkung von Kooperativen und Gewerkschaften. Er beweist, dass gerechtere Strukturen nicht nur denkbar, sondern bereits Realität sind.
Was genau passiert rund um den Weltladentag in den Weltläden – welche Aktionen, Veranstaltungen oder politischen Botschaften sind geplant?
Rund um den Weltladentag machen die Weltläden das Kampagnenthema mit Schaufenstern, Infoständen und Mitmachaktionen wie Quiz, Memory oder Verkostungen sichtbar und zeigen sehr konkret, wo die Machtungleichgewichte im Fruchthandel liegen und wie faire Alternativen aussehen. Viele Läden greifen die Forderungen nach fairen Preisen, Transparenz und Mitsprache auf und bringen diese aktiv ins Gespräch mit Kund*innen. Parallel läuft aktuell außerdem der Appell „Landwirtschaft braucht Fairness“, der sich für kostendeckende Preise entlang der gesamten Lieferkette einsetzt und unfaire Preise als unlautere Handelspraktik adressiert. Da dieser Appell thematisch hervorragend zum Weltladentag passt, nutzen zahlreiche Weltläden den Aktionstag, um ihn zu unterstützen und weiterzutragen.
Was bedeutet Vielfalt für dich persönlich – gerade im Kontext von globalen Lieferketten und den Menschen, die unsere Lebensmittel anbauen? Gibt es für dich eine Verbindung zwischen dem Weltladentag und dem Jahresthema Vielfalt?
Für mich bedeutet Vielfalt, unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Lebensrealitäten ernst zu nehmen und Strukturen zu schaffen, in denen sie wirklich Platz haben. Gerade in globalen Lieferketten zeigt sich jedoch, wie oft diese Vielfalt unsichtbar gemacht wird, weil Machtasymmetrien bestimmen, wem Gehör geschenkt wird und wem nicht, und weil Lieferketten sehr anonym und entmenschlicht sind. Der Weltladentag knüpft genau hier an: Er macht sichtbar, wie wichtig Mitsprache, faire Bedingungen und gerechte Teilhabe für alle Beteiligten sind. Am Beispiel der Menschen, die unsere Früchte anbauen, wird deutlich, wie sehr Vielfalt davon lebt, dass Stimmen gestärkt werden, die sonst kaum Gehör finden.
Vielen Dank für das Gespräch, liebe Annika!