Rundreise zur Fairen Woche 2023

Ein Höhepunkt jeder Fairen Woche sind die Besuche von Handelspartnern aus vielen verschiedenen Ländern, die u.a. in Schulen, Rathäusern und im Radio von den Wirkungen des Fairen Handels berichten und einen direkten Dialog zwischen Produzent*innen und Verbraucher*innen ermöglichen.

Auch in diesem Jahr haben Sie bei einigen Veranstaltungen die Chance, unsere Gäste live zu erleben, Fragen zu stellen und mehr zur Lebens- und Arbeitswelt der Produzent*innen im Globalen Süden zu erfahren. Passend zum Thema der Fairen Woche 2023 "Klimagerechtigkeit" werden sie von den Auswirkungen der Klimakrise auf ihre Arbeit und ihr Leben berichten und  von den Maßnahmen erzählen, die sie gemeinsam mit den Fair-Handels-Partnern in Deutschland ergreifen, um dieser entgegenzutreten. Ob und wann eine Veranstaltung in ihrer Nähe stattfindet, sehen Sie ab Mitte Juni in unserem Kalender.

 

Handelspartner zu Gast bei der Fairen Woche 2023

Zur Fairen Woche werden Suganthi Thangavelu und Isabel Tadmiri von Last Forest nach Deutschland kommen.

Isabel Tadmiri arbeitet seit Oktober 2022 im Rahmen eines Postgraduiertenstipendiums mit Last Forest zusammen. Dort ist sie für Kommunikation zuständig und arbeitet insbesondere daran, deren Geschichte vom Einsatz für Klimaresilienz der letzten dreißig Jahre zu erzählen.

Suganthi Thangavelu ist seit einem Jahr bei Last Forest als Einkaufsleiterin tätig und hat zuvor 12 Jahre lang im selben Unternehmen gearbeitet. Ihre Aufgabe ist es, den gesamten Einkauf vom Lager bis zu den Einzelhandelsgeschäften zu managen, angefangen beim Verpackungsmaterial bis hin zu den Produkten, die in den Geschäften verkauft werden. Außerdem ist sie auch Teil des Marketingteams und kümmert sich um das Ausland und betreut eines der Einzelhandelsgeschäfte von Last Forest.

 

Klimagerechtigkeit bedeutet für sie:
 

Suganthi Thangavelu: "Was wir tun ist für mich eine Ungerechtigkeit gegenüber dem Klima und der Umwelt – der Einsatz von Chemikalien, Pestiziden und Plastik auf der ganzen Welt. Klimagerechtigkeit bedeutet für mich, dass wir uns damit auseinandersetzen, alles umweltfreundlich und nachhaltig zu gestalten und über nachhaltige Lebensweisen nachdenken."

Isabel Tadmiri: "Für mich ist Klimagerechtigkeit in ihrer einfachsten Form Fürsorge. Sie bedeutet, sich um die Menschen und Gemeinschaften zu kümmern: um ihre Gesundheit, ihre Nahrungsgrundlagen, aber auch ihre Geschichte und Traditionen. Klimagerechtigkeit ist auch, dass wir uns ehrlich dazu verpflichten, die Vergangenheit und die Gegenwart wiedergutzumachen und nicht-koloniale Entscheidungen zu treffen, um vorwärts zu gehen und uns mit den Schäden des Klimawandels auseinanderzusetzen und gemeinsam am Aufbau von Resilienz zu arbeiten."

Über Last Forest

Last Forest Enterprise hat seinen Sitz im Herzen der Nilgiri-Berge, der "grünen Lunge" im Süden Indiens. Seit Jahrhunderten sammelt die indigene Bevölkerung dort den Honig von wilden Bienen. Jedes Jahr zwischen April und Juli begeben sich die geübten Kletterer in die Honigfelsen und Bäume, in denen die Bienen nisten, und ernten den Honig traditionell auf nachhaltige Weise.

Soziales Engagement

Ziel von Last Forest ist es, lokale Praktiken wie das wilde Honigsammeln von Klippen und hohen Bäumen zu erhalten und den Expert*innen dieser Praktiken Märkte für ihre Produkte zu eröffnen. Last Forest arbeitet mit einem Produktionszentrum zusammen, wo die Rohstoffe weiterverarbeitet und die Produkte verpackt werden. Im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit steht es so allen Mitgliedern offen, an den Entscheidungsprozessen teilzunehmen. Last Forest unterstützt die lokalen Gemeinden durch Beiträge und Programme für die Gesundheitsversorgung und Bildung für die lokale Bevölkerung. Sie investieren mehr als 30 % ihres Gewinns in diese Projekte.

Ökologische Herstellung

Last Forest stellt neben Honig auch Bienenwachstücher und Naturkosmetikprodukte, wie Seifen und Lippenbalsam her. Die Baumwolle für die Bienenwachstücher stammt aus biologischem Anbau. Das Bienenwachs und der Honig stammen von lokalen Imkern, aus eigener Imkerei oder Wildsammlung. Ort der Sammlung ist ein UNESCO Biosphärenreservat, in dem sich die Produzent*innengruppen befinden. Durch die Herstellung von Seifen in lokalen Werkstätten wird seit einigen Jahren auch das "Abfallprodukt" Bienenwachs weiterverwertet und schafft so für viele Frauen neue Arbeitsplätze und ein gesichertes Einkommen.

Ökonomische Fairness

Last Forest betreut die gesamte Lieferkette von der Rohstoffgewinnung über die Qualitätsprüfung bis hin zum Verkauf der nachhaltigen, fair gehandelten Produkte. Eine erste Stufe der Verarbeitung und Wertschöpfung der Produkte erfolgt in Produktionszentren auf Dorfebene. Diese Zentren werden vollständig von Frauen geleitet und betrieben. Dadurch können sie ein Einkommen im Dorf verdienen und sich gleichzeitig um ihre Häuser und Kinder kümmern. Die Vermarktung der Produkte erfolgt in mehr als 100 Verkaufsstellen in Indien sowie in den Export. Last Forest ist Mitglied der WFTO und richtet die Arbeit an den 10 Grundsätzen des Fairen Handels aus.

Auswirkungen der Klimakrise auf die Arbeit von Last Forest

Doch der Klimawandel ist auch in dem scheinbar so intakten Waldgebiet zu spüren. Besonders in der Landwirtschaft und bei den so sensiblen Bienenvölkern schlagen sich alle klimatischen Veränderungen sofort nieder. Früher konnte der Honig von März bis Juni geerntet werden, mit maximalem Ertrag. Darüber hinaus gab es noch eine zweite Saison von September bis Dezember. Aber jetzt finden die Honigjäger nur noch in der Hauptsaison Honig, und auch weniger als zuvor. Es können keine klaren Vorhersagen mehr getroffen werden und damit ist auch die Beschäftigungssicherheit in der Weiterverarbeitung gefährdet.

Auch der Honig selbst ist anfällig geworden. Durch unerwartete Kälte und Feuchtigkeit kristallisiert er schneller aus und andere Nahrungsmittel werden schneller von Pilzen befallen. Um dem entgegenzuwirken, muss Last Forest in die Infrastruktur investieren.

Durch die extremen Wetterereignisse, wie starke Hitze, Kälte oder veränderte Regenzeiten, haben viele Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden zu kämpfen. Hinzu kommen psychische Probleme und Ängste aufgrund der Unsicherheiten in Bezug auf die Beschaffung von Lebensmitteln oder der Ausübung ihrer Arbeit. So haben sie Angst, dass sie ihre Heimat verlassen müssen und ihre Traditionen nicht mehr ausüben können. 

Was unternimmt Last Forest dagegen?

Unter anderem reagiert Last Forest auf den Klimawandel mit der Ausweitung des eigenen Produktsortiments. So kann das Unternehmen Ausfälle von einzelnen Produkten besser ausgleichen und den Menschen in den Nilgiris weiterhin Arbeitsplätze bieten. Auch die Ausweitung der gesundheitlichen Versorgung ist ein wichtiger Punkt. 

WeltPartner hat zur Fairen Woche 2023 Milan Bhattarai von Get Paper Industry aus Nepal eingeladen.

Sein Statement zum Thema Klimagerechtigkeit:

"Wir alle hier bei Get Paper spüren die Auswirkungen und die Last des Klimawandels. Der Verlauf des Regens und der Temperaturen verändert sich. Dadurch wird unsere Produktionsplanung über den Haufen geworfen. Wir wissen, dass das an globalem Fehlverhalten in der Produktion und dem Konsum liegt. Aber die Last dieser Auswirkungen wird zu unserer Organisation transportiert, weil wir unsere Ware umweltfreundlich herstellen. Das ist uns gegenüber nicht fair. Wir tragen die Last des Klimawandels, obwohl wir dafür nicht verantwortlich sind."

Über Get Paper Industry

Im Jahr 1985 hat Milan mit zwei Freunden die Kooperative Get Paper Industry gegründet. Die Werkstatt der Kooperative mit ca. 95 Mitarbeiter*innen liegt im Norden des Kathmandutals, in Golfutar. Dort stellen sie handgeschöpftes Papier und Papierprodukte her.

Ziel ist es, traditionelles nepalesisches Handwerk zu nutzen, um Frauen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, Beschäftigungsmöglichkeiten mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen zu bieten. Get Paper unterstützt und fördert die Produzentinnen und die örtliche Gemeinschaft in verschiedensten Bereichen wie Bildung, Umwelt, Ernährung und Gesundheit.

Umweltfreundliche Produktion

Als Rohmaterialien für die Papeterie-Produkte finden Baumwollfäden, Altpapier und landwirtschaftliche Abfälle wie Bananenblätter Verwendung. Das Papier wird durch einfache "Hand-Technik" geschöpft und an der Sonne getrocknet. Anschließend werden die getrockneten Papierbögen geschnitten und können zu verschiedenen Papierprodukten weiterverarbeitet werden.

Soziales Engagement

GPI unterstützt und fördert die Produzentinnen und die örtliche Gemeinschaft in verschiedenen Bereichen wie Bildung, Umwelt, Ernährung und Gesundheit. Außerdem werden die marginalisierten Frauen dazu bestärkt, aktiv zu partizipieren und Führungspositionen zu übernehmen. Dadurch spielen sie eine wichtige Rolle bei kurz- und langfristigen Entscheidungen der Organisation.

Kampagne "Schick deine Tochter in die Schule"

Die Bildungssicherung von Mädchen ist ein wichtiges Anliegen der Kooperative. Neben 250 Stipendien, die jedes Jahr gewährt werden, hat Get Paper die Kampagne "Schick deine Tochter in die Schule" gestartet. Dieser Slogan ist auch auf den rund 1000 Schulranzen zu finden, die an Kinder verteilt wurden. Ziel ist es, dass in der Gemeinde ein Umdenken stattfindet und auch Mädchen die Schule besuchen dürfen. Get Paper unterstützt sieben Schulen bei der Verbesserung der Infrastruktur, der Gewährung von Stipendien und der Bereitstellung von Schuluniformen und hat im Jahr 2000 auch eine eigene Schule errichtet.

Von der Kooperative Heiveld aus Südafrika werden Noel Oettlé und Zelda Beukes zu Gast sein.

Noel Oettlé lebt auf einem kleinen Bio-Bauernhof in der Nähe des Dorfes Nieuwoudtville in der Nordkap-Provinz Südafrikas. Er ist Netzwerkkoordinator von Drynet, einer internationalen Partnerschaft von Nichtregierungsorganisationen, die sich für eine nachhaltige Landnutzung und Existenzsicherung in den weltweiten Trockengebieten einsetzt. Außerdem ist er Berater der Heiveld Cooperative und Vorsitzender des Three Fountains Trust, der von der Heiveld Cooperative gegründet wurde, um ihren Mitgliedern Zugang zu Land zu verschaffen.
Seine Arbeit hat zur Umsetzung der multilateralen Umweltabkommen der Vereinten Nationen, einschließlich UNCCD, UNFCCCC und UNCBD, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene beigetragen. Er hat die Verbindung zwischen lokalen und internationalen Analysen und Maßnahmen gefördert und diente als CSO-Beobachter für das UNCCD Science Policy Interface 2020 - 22.  Zwischen 2020 und 2022 leitete er ein von der GEF finanziertes Agrarökologie-Projekt mit dem Namen AVACLIM, das in sieben Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika durchgeführt wurde.

Für Noel Oettlé ist klar:

"Um Klimagerechtigkeit zu erreichen, müssen wir erkennen, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung unverhältnismäßig stark von den Menschen zu spüren sind, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Der Faire Handel kann dazu einen großen Beitrag leisten, indem er die Herausforderungen anerkennt, die der Klimawandel für ressourcenarme Bauern mit sich bringt. Und mit ihnen auf respektvolle und einfühlsame Weise nach Lösungen sucht, die es ihnen ermöglichen, sich besser anzupassen, ihre Wünsche zu verwirklichen und eine größere Widerstandsfähigkeit zu erreichen."

Über Heiveld

Die Zederberge in Südafrika sind heiß und trocken – diese karge Landschaft ist der einzige Ort auf der Welt, an dem Rooibos wächst. Dort haben sich in der Heiveld-Kooperative 70 Bäuerinnen und Bauern zusammengeschlossen, um auf ihrem eigenen Land biologisch angebauten Rooibos-Tee zu produzieren.

Während der Apartheid wurden die als "Coloureds" bezeichneten Bevölkerungsgruppen diskriminiert, indem man ihnen den Zugang zu politischer Mitsprache, Land, Bildung und Absatzmärkten für ihre Produkte verwehrte. Rooibos-Tee wird überwiegend auf großen, industriell wirtschaftenden Farmen angebaut, die auch nach dem Ende der Apartheid meist im Besitz weißer Farmer*innen sind. Die sogenannten "Coloureds" besitzen bis heute nur wenig landwirtschaftlich nutzbare Fläche und sind häufig als Lohnarbeiter*innen auf den Großfarmen beschäftigt.

Um diese andauernde Ungerechtigkeit zu bekämpfen und ihre Lebensverhältnisse nachhaltig zu verbessern, haben sich 2001 zunächst 14 Frauen und Männer zusammengeschlossen und die erste Rooibos-Kooperative gegründet.

Ihre Vision

Eine demokratische Organisation, ökologische Landwirtschaft auf eigenen Feldern und der
Aufbau eigener Strukturen für Verarbeitung und Vermarktung sind die Vision von Heiveld. Die Zusammenarbeit mit europäischen Fair-Handels-Organisationen hat die Kooperative weiter gestärkt und schon zwei Jahre nach der Gründung erreichte Heiveld sowohl die Bio- als
auch die Fairtrade-Zertifizierung. Im Jahr 2016 gelang mit Unterstützung von Fair-Handels-
Initiativen der Kauf von 2.500 ha dringend benötigtem fruchtbaren Farmland. Die
Produktion konnte ausgeweitet werden und vor allem für die jungen Mitglieder der
Kooperative wurde eine langfristige Perspektive im fairen Rooibos-Anbau geschaffen.
Mittlerweile hat die Heiveld-Kooperative über 70 Mitglieder, die Hälfte davon sind Frauen.
Da die "Coloureds" auch heute noch sozial und wirtschaftlich benachteiligt werden, hat ihre
erfolgreiche Organisation einen hohen politischen Symbolwert und ist überregional bekannt.

Soziales Engagement

Die Kooperative bietet den Mitgliedern Leistungen wie Verarbeitung, Lagerung und
Vermarktung des Rooibos-Tees sowie landwirtschaftliche Beratung und Schulungen. Bei
Bedarf können Kleinkredite vermittelt werden. Viele Frauen verdienen durch die
Bewirtschaftung eigener Felder erstmals ein eigenes Einkommen, das sie vor allem in die
Ausbildung ihrer Kinder investieren. So schaffen sie Perspektiven für die junge Generation,
die sonst oft nur die Möglichkeit haben, für niedrige Löhne auf den Farmen kommerzieller
Farmer*innen zu arbeiten. Durch den Verkauf des Rooibos an Fair-Handels-Importeure
erhalten die Mitglieder einen deutlich höheren und stabileren Preis.

Ökologie

Das sensible Ökosystem der Kap-Region zeichnet sich durch einen großen Reichtum an Pflanzenarten aus. Ein Großteil der dort wachsenden Pflanzenarten kommt ausschließlich dort vor. Die abgelegene Region ist nur dünn besiedelt und Arbeitsplätze gibt es überwiegend in der Landwirtschaft.

Den Mitgliedern der Kooperative liegt besonders viel am Erhalt der außergewöhnlichen Artenvielfalt der Region und an einem schonenden und damit nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen wie den Rooibos-Sträuchern. Die Mitglieder bewirtschaften das Land umweltschonend und ohne Einsatz von Maschinen. Geerntet wird aufwendig von Hand, Heckenstreifen zwischen den Feldern bieten Insekten und Pflanzen einen natürlichen Lebensraum und beugen Erosion vor. Auch Gemüse für den Eigenbedarf und wilder Rooibos wachsen auf den Feldern. Alle Mitglieder sind als Bio-Bäuer*innen zertifiziert. Aus diesen Gründen arbeitet die Kooperative mit lokalen Umweltschutz-Organisationen zusammen.

Auswirkungen des Klimawandels

Das größte Problem für die Farmer*innen ist der Klimawandel. Die extremen
Dürreperioden führten in den letzten Jahren zu massiven Ernte- und Einkommenseinbußen
für die Mitglieder. Auch die letzten Regenzeiten fielen deutlich geringer aus als erhofft und benötigt.

Was unternimmt Heiveld dagegen?

Obwohl die Heiveld-Kooperative zur Anpassung an die sich verändernden
Bedingungen z.B. neue Anbaumethoden ausprobiert und Wetterdaten systematisch erfasst
und auswertet, bedroht der fortschreitende Klimawandel die bisherigen ökologischen und
ökonomischen Erfolge. Die stabilen und höheren Einnahmen durch die Vermarktung über
den Fairen Handel sind daher für die Mitglieder wichtiger denn je.

Von der Kooperative Norandino aus Peru wird Maira Elizabeth López zu Besuch sein.

Maira Elizabeth López López ist 25 Jahre alt und arbeitet in Piura, Peru bei Norandino. Norandino ist eine Organisation, die sich auf die Produktion von fairem Kaffee, Kakao und Rohzucker konzentriert und dabei die regionale Entwicklung fördert. Maira Elizabeth López López hat zunächst bei Norandino Klima-Projekte zur Wiederaufforstung betreut. Aktuell arbeitet sie im Finanzbereich. Sie kann aus eigener Hand berichten, wie sich der Klimawandel auf die Kleinbäuer*innen und Erzeuger*innen in den Produktionsketten auswirkt. Sie spricht Englisch und Spanisch.

Was ist das Besondere an Norandino? Moira: „I have seen how there is a positive impact on the producers’ lives and I believe in fair trade.”

Über Norandino:

Gegründet wurde CEPICAFE (heute Norandino) 1995 von damals rund 200 Mitgliedern. Hervorgegangen ist die Organisation aus einem Programm zur Förderung des Bioanbaus von Kaffee (= PIDECAFE), das 1991 startete. Da nicht mehr nur Kaffee im Vordergrund steht, sondern auch die Erzeugung und Vermarktung von Kakao und Zuckerrohr wurde der Namen in PROGRESO (Promoción de la Gestión Rural Económica y Social - Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auf dem Land) geändert. PROGRESO berät in allen Fragen des ökologischen Anbaus. Es werden Multiplikator*Innen ausgebildet, die den Mitgliedern des Verbandes den ökologischen Anbau näherbringen. Durch Methoden des Biolandbaus konnte die Produktivität der Kaffeegärten erhöht und die Qualität des Kaffees verbessert werden. 2005 wurde die Organisation in Norandino umbenannt. Die Kooperative ist demokratisch organisiert. Das oberste Entscheidungsgremium ist die Generalversammlung. Der Vorstand wird jährlich neu gewählt. Seit 2013 ist Norandino Fairtrade- und bio-zertifiziert. Die Ziele der Organisation sind die Stärkung seiner Mitglieder und die regionale Entwicklung. Dabei wird vor allem auf die Verarbeitung, Vermarktung und den Export gesetzt.

Auswirkungen des Klimawandels:

Norandino muss sich vielen Herausforderungen stellen: den steigenden Produktionskosten, den Schwierigkeiten des Bio-Anbaus in Zeiten des Klimawandels und der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit.

Piura im Nordwesten Perus ist eine der Regionen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen ist. Dort herrscht ein tropisches und trockenes Klima, sodass in der Landwirtschaft Bewässerung nötig ist. In den letzten Jahren sind die Niederschläge von 10 auf 5.000 Millimeter gestiegen, was dazu führte, dass Flüsse über die Ufer traten und Schäden an Straßen, Brücken und Ernten verursachten. Die Folgen des Klimawandels sind dramatisch. Früher wuchs der Kaffee in einer Höhe von 800 m, heute kann er nur noch in einer Höhe von 1500 m angebaut werden. In der Region um Piura wird Kaffee bereits seit über hundert Jahren angebaut. Überalterte Pflanzungen, der Befall durch den Kaffeekirschkäfer in den vernachlässigten Kaffeegärten und eine fehlende Vermarktungsstruktur sorgten in der Vergangenheit für niedrige Preise und geringe Produktionsmengen.

Die Organisation hat Maßnahmen ergriffen, um seine Mitglieder bei der Bewältigung der negativen Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen. Auf der Produktionsebene wählte Norandino Pflanzensorten aus, die widerstandsfähiger und weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind. Innovative Technologien werden eingesetzt, um die Bewässerungssysteme trotz schwerer Dürreperioden effizienter zu machen. Darüber hinaus wird die Produktion diversifiziert, um nicht zu sehr von einem Produkt abhängig zu sein. Für die Kleinproduzent*innen werden Schulungen zum Klimawandel und Methoden zu dessen Bekämpfung organisiert. Der CO2-Fußabdruck von Norandino wird gemessen und weitgehend durch Aufforstungsprogramme ausgeglichen.

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