Frauen im Fairen Handel - eine Brücke zwischen Süd und Nord

Baumwollbäuerin

Armut und ihre Folgen treffen vor allem Frauen. Mehr als eine Milliarde Menschen müssen mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen - 70 Prozent davon sind Frauen. Zwei Drittel aller Menschen, die nicht lesen und schreiben können, sind Frauen. Mehr als 40 Prozent der Frauen in Afrika haben keine Grundschulbildung erhalten. Vor allem in Entwicklungsländern sind die Auswirkungen der Armut auf Frauen verheerend und lassen kaum Hoffnung auf eine Perspektive für ein besseres Leben. Mangelnder Arbeits- und Gesundheitsschutz, niedrige Löhne und Geschlechterdiskriminierung sind einige der Probleme, mit denen meistens Frauen in den Ländern des Südens zu kämpfen haben.

Der Faire Handel bietet Lösungsansätze zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation von Frauen in Afrika, Asien und Lateinamerika: Frauen erhalten häufig zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Unbezahlte Arbeit, wie etwa das Körbeflechten, wird in der selbstorganisierten Gruppe zur bezahlten Arbeit. Dies verbessert nicht nur das Familieneinkommen, sondern auch das Ansehen der Frauen. Im Fairen Handel gibt es reine Frauenprojekte, die über Fair Handelsorganisationen wie gepa, El Puente, dritte-welt partner und BanaFair ihre Produkte vermarkten. Darüber hinaus ist die Förderung von Frauen in den unterschiedlichsten Bereichen ein Bestandteil der Arbeit vieler Genossenschaften und engagierter Vermarktungsorganisationen. Daher gehört die Frauenförderung zu den TransFair-Kriterien.

Frauen erhalten Kredite, um sich selbständig machen zu können und die Produktionsverfahren zu verbessern.
Frauen können sich innerhalb ihrer Organisation von Fachfrauen beraten lassen (zum Beispiel Rechtsberatung).
Frauen erhalten die Möglichkeit, die Leitung von Gruppen zu übernehmen und für die Finanzen verantwortlich zu sein.
Frauen qualifizieren sich durch die Arbeit für den Export weiter.
Frauen erwirtschaften ein eigenes Einkommen, dies stärkt Selbstbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit.

Auch in Deutschland spielen Frauen im Fairen Handel eine besondere Rolle. Viele setzen sich in Weltläden, entwicklungspolitischen Gruppen und Initiativen für die Handelspartner im Süden ein. So sind zum Beispiel laut einer Studie von Franz Nuscheler über christliche Dritte-Welt-Gruppen dort zu 62 Prozent Frauen engagiert. In vielen Weltläden sind Frauen im gesamtgesellschaftlichen Vergleich gut in Leitungsfunktionen vertreten. Große Frauenverbände, wie die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und die Evangelische Frauenarbeit in Deutschland e.V., setzen sich im Rahmen ihrer Mitgliedschaft bei der Siegelorganisation TransFair für den Fairen Handel ein. Ihrem Engagement ist der Durchbruch von TransFair in den Supermärkten zu verdanken.

Bereits Ende der siebziger Jahre haben evangelische Frauen unter dem Motto "Politik mit dem Einkaufskorb" entscheidende Anstöße gegeben, die Öffentlichkeit auf die Apartheidpolitik Südafrikas aufmerksam zu machen. Und nicht zuletzt tragen Frauen im Fairen Handel als Kundinnen maßgeblich dazu bei, den Genossenschaften und Vermarktungsorganisationen in Afrika, Lateinamerika und Asien eine Perspektive zu geben.