Edel, hilfreich und gut - ehrenamtliches Engagement

"Freiwillige Arbeit baut Brücken innerhalb einer Gesellschaft und zwischen Gesellschaften, zwischen reicheren und ärmeren Menschen, zwischen Älteren und Jüngeren. Und die Bereitschaft, anderen zu helfen, macht auch an Grenzen nicht Halt." Bundespräsident Johannes Rau in seiner Rede bei der Auftaktveranstaltung zum Internationalen Jahr der Freiwilligen am 05.12.2000 in Bonn.
In unserer Konsum- und Spaßgesellschaft ist soziales Engagement doch nicht mehr gefragt. Es zählt nur der persönliche Vorteil - wie es den anderen geht ist doch egal, oder? Solche oder ähnliche Aussagen sind häufig - vor allem in Bezug auf die jüngere Generation - zu hören, geht es um ehrenamtliches Engagement und das Klagen über zu wenig Nachwuchs. Steckt unsere Gesellschaft in einer Krise des Ehrenamtes?
Auch im Fairen Handel sind solche Befürchtungen zu hören. Wie ist es dann möglich, dass die Bewegung und mit ihr die Weltläden inzwischen mehr als ein Vierteljahrhundert bestehen konnten? Ohne die vielen tausend Menschen, die in über 800 Weltläden und mehreren tausend Aktionsgruppen und in den Mitgliedsorganisationen von TransFair bundesweit ehrenamtlich tätig sind, gäbe es längst keinen Fairen Handel mehr. Ehrenamtliche betreiben Weltläden, organisieren Verkaufsaktionen, leisten vielfältige Bildungsarbeit, sind Mitgestalter der (Entwicklungs-) Politik ihrer Kommune und ermöglichen mit ihrem Einsatz bundesweite Aktionen. Die bundesweite Faire Woche ist ein Beispiel für das vielfältige freiwillige Engagement im Fairen Handel.
Dass sie damit ganz und gar nicht alleine sind, bestätigt eine Studie zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben wurde. Demnach sind 36 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren in Deutschland ehrenamtlich engagiert - das sind etwa 23 Millionen Menschen. Die Studie zeigt, dass Jugendliche engagierter sind als angenommen, und dass sich noch viel mehr engagieren würden, wenn sie Möglichkeiten dazu angeboten bekämen. Hier gilt es also anzusetzen und konkrete Angebote ins Leben zu rufen, die auch Spaß machen!
Der Faire Handel bietet diese Möglichkeiten für soziales und politisches Engagement. Im Weltladen verbindet sich die theoretische Auseinandersetzung ganz praktisch mit der konkreten Handlungsalternative. Hier wird nicht nur die Problematik des ungerechten Welthandels und der Globalisierung diskutiert. Der Verkauf fair gehandelter Produkte bedeutet für die Produzentinnen und Produzenten im Süden die Verbesserung ihrer Lebensqualität und bietet den Verkäuferinnen und Verkäufern und Käuferinnen und Käufern im Norden die Möglichkeit, sich für eine gerechtere Gestaltung des Welthandels einzusetzen.