Fairer Handel und Agenda 21 - eine gute Mischung!

Ernte von Quinoa

"Agenda 21" ist ein umfassendes Aktionsprogramm für eine nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert. Es wurde 1992 auf dem "Erdgipfel" in Rio von mehr als 170 Staaten verabschiedet. Die Regierungen dieser Staaten verpflichteten sich, in ihrer Politik die Forderungen für eine umweltgerechte, sozial verantwortliche und wirtschaftlich tragfähige Entwicklung in konkreten Schritten umzusetzen. In Deutschland koordinieren und unterstützen die Landesregierungen die Aktionsprogramme der lokalen Intitiativen.

Was hat der Faire Handel mit der Agenda 21 zu tun?

Der Faire Handel verwirklicht in seiner Arbeit beispielhaft die Devise des Aktionsprogramms "Global denken - lokal handeln" in den zentralen Bereichen

    * Internationale Zusammenarbeit
    * Armutsbekämpfung
    * Veränderung der Konsumgewohnheiten

Die Ziele des Fairen Handels stimmen in allen wesentlichen Punkten mit den Kapiteln der Agenda 21 überein.

Fairer Handel als wichtiger Baustein des Agenda-Prozesses
Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Textauszüge in den Kapiteln der Agenda 21.

Internationale Zusammenarbeit (Kapitel 2)
Der Faire Handel verwirklicht "den kontinuierlichen und konstruktiven Dialog" mit den Handelspartnern für eine nachhaltige Entwicklung und setzt sich "für eine Wirtschaftspolitik ein, die sowohl der Umwelt als auch der Entwicklung zuträglich ist". Dabei bemüht er sich um eine "Liberalisierung des Handels", die auf
"die Beseitigung der gegenwärtigen Verzerrungen im internationalen Handel abzielt - vor allem auf den massiven und kontinuierlich fortschreitenden Abbau der Subventionen und Hilfen für die Landwirtschaft in den Industrieländern".

Armutsbekämpfung (Kapitel 3)
Der Faire Handel leistet einen Beitrag "zur Ausrottung von Armut und Hunger, einer größeren Ausgewogenheit der Einkommensverteilung und der  Erschließung und Weiterentwicklung menschlicher Ressourcen". Dabei wendet er eine Strategie an, die unter anderem "die Rechte der Frau, der indigenen
Bevölkerung sowie die örtlichen Gemeinschaften und einen demokratischen Beteiligungsprozess mit einbezieht." Schwerpunkt ist "die Schaffung von  Einkommen, die Stärkung der personellen Kapazitäten" unter "Einbeziehung nicht-staatlicher Organisationen".

Veränderung der Konsumgewohnheiten (Kapitel 4)
Der Faire Handel fördert die Einführung von "Verbrauchs- und Produktionsmustern, die zu einer Verringerung von Umweltbelastungen und zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse führen". Dabei wird "der Veränderung der Verbrauchsgewohnheiten in den Industrieländern die  Führung(srolle)" zugeordnet.

Konkrete Beiträge des Fairen Handels

Die Agenda 21 spricht als weltweites Aktionsprogramm jede Kommune und jede Einzelperson an. Alle sind aufgerufen, etwas gegen die ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme auf diesem Planeten zu unternehmen. Auf die Frage, was denn jeder einzelne hier in Deutschland konkret tun kann, um einen Beitrag zur Lösung von Problemen in den Ländern des Südens zu leisten, ist der Faire Handel eine gute Antwort.

Den Produzentinnen und Produzenten garantiert der Faire Handel neben gerechten Preisen auch menschenwürdige Arbeitsbedingungen, langfristige Lieferverträge sowie Investitionen in Gemeinschaftsprojekte. Bei der Produktion von Lebensmitteln werden die Bauern zur Umstellung auf ökologischen Anbau beraten. Diese Leistungen schlagen sich selbstverständlich auch in der Qualität der Produkte nieder. So profitiert auch Verbraucherinnen und Verbraucher vom Fairen Handel.

Produkte aus Fairem Handel gibt es seit über 30 Jahren in mittlerweile über 800 Weltläden bundesweit. Die Produktpalette reicht von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs wie Kaffee, Tee, Bananen und Honig über Fußbälle bis hin zu Kunsthandwerk und Musikinstrumenten. Seit über 15 Jahren führen auch immer mehr Supermärkte Lebensmittel aus Fairem Handel. Diese sind an dem TransFair-Siegel zu erkennen. Auch Großverbraucher, wie Kantinen von Unternehmen und Tagungshäusern sowie Cafés und Bäckereien, stellen zunehmend auf fair gehandelten Kaffee, Tee und/oder Orangensaft um oder bieten Gerichte an, die mit fair gehandelten Zutaten zubereitet sind.

Plakataktion nach der Europawahl 2009 mit Werbung für den Norderstedter Agenda-Kaffee "FAIRflixt goot!"
Plakataktion nach der Europawahl 2009 mit Werbung für den Norderstedter Agenda-Kaffee "FAIRflixt goot!"

Eine besonders attraktive Form, den Fairen Handel mit dem lokalen Agenda 21-Prozess einer Stadt zu verbinden ist die Einführung so genannter Agenda-Kaffees. Durch die lokaltypischen Namen der Kaffees und die individuell gestalteten Etiketten der Verpackung erreichen die Kaffees in der jeweiligen Stadt einen hohen Identifikationsgrad. Viele Städte und Kreise verfügen bereits über einen eigenen Agenda-Kaffee, so zum Beispiel München, Mainz und Münster sowie über 20 Städte im Ruhrgebiet. Andere Städte kreieren eigene Schokoladen.

Es gibt viele weitere Beispiele der konkreten Umsetzung der lokalen Agenda. Die niedersächsische Stadt Westerstede überreicht beispielsweise seit 2001 als erste Gemeinde Deutschlands anlässlich von Goldenen Hochzeiten, runden Geburtstagen und weiteren Feierlichkeiten ein besonderes Geschenk: Präsentkörbe gefüllt mit Kaffee, Tee, Schokolade, Gebäck und anderen Leckereien aus Fairem Handel. Der örtliche Weltladen stellt die Körbe im Wert von jeweils rund 50 Euro zusammen.

Ein weiterer Schritt, der ebenfalls in Zusammenarbeit mit den lokalen Agendabeauftragten gegangen werden kann, ist die Bewerbung um den Titel Fairtrade-Town. Die internationale Kampagne wurde 2009 auch in Deutschland gestartet. Als erste Städte haben Saarbrücken und Neuss den Titel verliehen bekommen. Inzwischen gibt es fast 40 Fairtrade-Towns in Deutschland und viele weitere stehen in den Startlöchern. Die internationale Fairtrade-Towns-Gemeinschaft umfasst seit Juni 2011 1.000 Mitglieder.[Die Kampagne Fairtrade-Towns]

Die Faire Woche ist ein idealer Anlass, den Kaffee- und Teekonsum in Kommunen, Vereinen, Unternehmen und auch im privaten Gebrauch auf fair gehandelte Waren umzustellen.