Tyrell Fernando

PODIE, Sri Lanka
Tyrell Fernando ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Organisation PODIE (Peoples Organisation for Development Import and Export, Sri Lanka). Er ist 41 Jahre alt, verheiratet und hat drei Töchter. Seit 1988 arbeitet Tyrell für PODIE, 1993 ist er erstmalig in den Vorstand gewählt worden. Seit 2006 ist er Geschäftführer der Organisation. Hier ist er nun verantwortlich für das Marketing sowie für die Koordination der Kleinproduzenten und aller stattfindenden Versammlungen. Tyrell organisiert Weiterbildungen der Bauern durch Promotoren, übernimmt Verwaltungsarbeiten im Büro und unterstützt den Vorstand im organisatorischen Bereich. Zu seinen Aufgaben zählt außerdem die Durchführung von Seminaren und Schulungen, unter anderem zu Marketingstrategien und Qualitätskontrolle.
PODIE ist eine Exportorganisation, die 1974 gegründet wurde. Die Motivation der Gründer war die Reduzierung von Armut und Arbeitslosigkeit in Sri Lanka. Erklärtes Ziel PODIEs, damals wie heute, ist die Ausschaltung des Zwischenhandels, um so faire Preise für die Produzenten erzielen zu können. Heute besteht PODIE aus 8 Produzentengruppen, die in unterschiedlichen Regionen des Landes zu Hause sind. Insgesamt gehören der Organisation somit 900 Mitglieder an, knapp die Hälfte davon sind Frauen. Nach Gründung vertrieb die Organisation hauptsächlich Kunsthandwerk. In den 80er Jahren stieg jedoch die Nachfrage nach Gewürzen immens, sodass PODIE heute einen Großteil des Umsatzes, der in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist, mit dem Export von Gewürzen erwirtschaftet. Ein großer Erfolg für PODIE war es, als die Organisation vor etwa zwei Jahren nach einem längeren, von EL PUENTE begleiteten Umstellungsprozess, die Bio-Zertifizierung erlangt hat!
Während der Fairen Woche wird auch Tyrells Frau bei uns zu Gast sein.
Elizabeth Cuenca Mondejar

Alter Trade Corporation (ATC), Philippinen
Elizabeth Cuenca Mondejar arbeitet als Marketing- und Verkaufsmanagerin bei der Alter Trade Corporation (ATC) auf den Philippinen. Zu ihrem Hintergrund erzählt sie: "Ich komme aus einer Familie, die schon immer abhängig von der Zuckerindustrie war. Mein Vater war Vorarbeiter auf einer Zuckerplantage. Die Anliegen der Zuckerbauern kann ich also gut verstehen." Inzwischen ist sie 43 Jahre alt, verheiratet und hat eine siebenjährige Tochter. Bei ATC hat sie 1994 in der Finanzabteilung angefangen, zwei Jahre später wurde sie Mitglied des Aufsichtsrates und 1998 arbeitet sie in ihrer jetzigen Position. Als Marketing- und Verkaufsmanagerin sitzt sie außerdem im "Management Comittee", dem leitenden Gremium von ATC. Die engagierte Managerin zu ihrem Beruf: "Ich sehe es als besondere Herausforderung für ATC als Unternehmen im weltweiten Wettbewerb zu bestehen und gleichzeitig Nachhaltigkeit und das Wohlergehen der Produzenten zu sichern."
ATC wurde 1986 nach einer Krise auf dem internationalen Zuckermarkt gegründet. Die Zuckerbauern auf der Insel Negros sind besonders abhängig von den Preisschwankungen des Weltmarktes. Über ATC können sie ihre Produkte direkt vermarkten und somit ihr Einkommen und ihre finanzielle Sicherheit erhöhen. Die GEPA bezieht seit 1988 ihren Mascobado-Vollrohrzucker von dem Non-Profit-Unternehmen. Inzwischen ist er auch in vielen weiterverarbeiteten Produkten enthalten, beispielsweise Tafelschokoladen, Riegel, Gebäck, Bonbons, Liköre und Sirup.
Vier Jahre nach der Gründung gab es die ersten Gespräche über die Umstellung auf ökologischen Anbau. ATC wollte sowohl von der wachsenden Nachfrage nach Bioprodukten profitieren als auch umweltverträglich und nachhaltig wirtschaften. Unterstützt von der GEPA, Brot für die Welt und Naturland konnte ATC die Pläne verwirklichen: Seit 1997 verkauft die GEPA den Mascobado-Zucker in Bioqualität mit Naturland-Siegel. Neben der Vermarktungsorganisation ATC gibt es die Alter Trade Stiftung, die Kredite an Bauern vergibt und die Kooperativen berät. Ein besonders interessantes Projekt sind die von ihr organisierten, "Farmer Field's Schools". Sie vermitteln den Bauern praxisnah Wissen über Bioanbau und Ausweitung der Produktpalette, zum Beispiel auf Bananen, Mais und Ananas. Außerdem lernen sie dort etwas über Finanz- und Organisationsmanagement. "Die Farmer sind stolz auf das Bio-Zertifikat. Es ist ein Beleg für ihre Fähigkeiten und das, was sie geleistet haben: Von chemieintensiver Monokultur auf artenreiche Anbaumethoden umzustellen und dabei den Kriterien des Fairen Handels und denen von Naturland gerecht zu werden", sagt Elizabeth Mondejar.
Während der Fairen Woche wird sie bei den Regionalen Fair Handelszentren der GEPA und in einigen Weltläden zu Gast sein.
Boonjira Tanruang & Yupahwadi Thaithet
Green Net, Thailand
Frau Boonjira Tanruang , 41 Jahre, verheiratet, ist seit Oktober 2000 bei Green Net beschäftigt. Zunächst war Boonjira für die internationalen Konferenzen zuständig, danach Exportkoordinatorin und seit 2002 General Managerin bei Green Net und damit voll verantwortlich für alle Exportgeschäfte.
Frau Yupahwadi Thaithet, 35, ist Sekretärin der OCDG (Organic Coconut Developing Group). Yupahwadi ist Gründungsmitglied der 2003 gegründeten Kooperative für die Produktion von Bio-Kokosnüssen und in ihrer Eigenschaft als Sekretärin unter anderem verantwortlich für die Planung und den Ablauf der regelmäßigen Kooperativetreffen, die zeitliche Einteilung der kooperativeeigenen landwirtschaftlichen Geräte und Leiterin der Kokosnussöl-Produktion.
Die in Bangkok ansässige Kooperative Green Net ist ein Netzwerk für fairen Handel. Green Net fördert ausschließlich organisierte Kleinbauern, in dem sie deren landwirtschaftlichen Produkte auf dem Binnen- und Exportmarkt vermarktet. Übergreifendes Ziel ist es, die Lebensbedingungen der Bauern nachhaltig zu verbessern. Green Net arbeitet eng mit Kleinbauernorganisationen des Landes zusammen, die wegen geringer Bodenfruchtbarkeit, unregelmäßiger Regenfälle, und hoher Verschuldung der einzelnen Familien oft zu den ärmsten Mitgliedern der Thailändischen Gesellschaft zählen.
Maßnahmen wie Umstellung auf Bio-Anbau, Zertifizierung und professionelle Qualitätssicherung der Ernten sowie direkte Vermarktung in den Fairen Handel tragen zur besseren Einkommenssituation der beteiligten Kleinbauernfamilien bei. Zur Senkung der Zertifizierungskosten und um größere Unabhängigkeit zu erlangen hat Green Net 1996 wesentlich zur Gründung der thailändischen Zertifizierungsorganisation ACT (Organic Agriculture Certification Thailand) beigetragen. ACT berät und überprüft die Bauern direkt vor Ort. Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Wissen und die Erfahrung von anderen Bauern kann leichter genutzt werden, als wenn Fachleute aus Europa anreisen würden. Außerdem sinken die Kosten für eine Öko-Zertifizierung.
Green Net engagiert sich ebenfalls stark in der Lobby- und Kampagnenarbeit, die sich gegen die Patentierung von Reissorten sowie gegen Gentechnik generell richtet. Green Net ist es gelungen, in Thailand ein Vermarktungsnetz von 30 Naturkostläden aufzubauen. Auch hier gelten die Prinzipien ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit anhand von Fair Trade Kriterien, Vernetzung von Bauern und Konsumenten sowie ökonomische Rentabilität.
Die von dwp importierte, frische fair+bio-Kokosnussmilch von Green Net ist nicht nur ein besonderer Genuss, sondern sichert auch die Zukunft der ökologisch wirtschaftenden Kleinbauernfamilien. Aufschläge des Fairen Handels ermöglichen ein breites Serviceangebot für die Mitglieder mit eigenen Saatgutbanken, Schulen, Frauenförderprogrammen und Gesundheitszentren. So wird Landflucht verhindert und positive Zukunftsperspektiven ermöglicht.Als Gäste von dwp besuchen Boonjira Tanruang und Yupahwadi Thaithet im Rahmen der Fairen Woche 2008 zahlreiche Veranstaltungen, unter anderem in Berlin, Heidelberg, Hannover, München/Gräfelfing, Würzburg und Ravensburg.
Joaquín Vásquez

UROCAL, Ecuador
Joaquín Vásquez ist Präsident des Kleinbauern-Dachverbandes UROCAL. Er ist 52 Jahre alt, verheiratet mit Marielita Armijos. Das Ehepaar hat fünf Kinder und lebt im Ort Shumiral, wo sich auch das historische Zentrum von UROCAL befindet. Die Familie baut v.a. Kakao an und produziert Nutzholz. Joaquín Vásquez gehörte, wie seine Frau, in den siebziger Jahren zu den teilweise noch jugendlichen Aktiven der damaligen Bauernbewegung in der Küstenregion, die sich das Recht auf die Nutzung brachliegenden Landes erkämpften. Aus dieser Bewegung ist UROCAL entstanden, Joaquín Vásquez gehört zu den Gründungsmitgliedern und ist seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen für UROCAL tätig, zuletzt als gewählter Präsident. Daneben engagiert er sich in FENOCIN, der nationalen Föderation der Organisationen von Campesinos, Indígenas und Schwarzen in Ecuador.
David Romero

Urocal, Ecuador
David Romero ist 59 Jahre alt. Auch er ist einer der „Urgesteine“ von UROCAL, hat den Verband 1973 mitgegründet und seither in verschiedenen Funktionen mitgeleitet.
Seit drei Jahren ist David Romero Vorsitzender der Asociación Nuevo Mundo, der Vereinigung der Bio-Bananen-Produzenten von UROCAL, und seit dem letzten Kongress von UROCAL in 2007 auch Vize-Präsident des Gesamtverbandes.
Er bewirtschaftet eine 6 ha große Finca in der Provinz Azuay, wo er vor allem Kakao und Bananen produziert.
Natividad Isabel Nagua

UROCAL, Ecuador
Natividad Isabel Nagua ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Die meisten Bananenbauern sind männlich, auch bei UROCAL. Aber die Förderung von Frauen inkl. der Stärkung ihrer wirtschaftlichen Selbstständigkeit ist eine der wesentlichen Ziele des Verbandes. Mittlerweile steigt der Anteil von Frauen innerhalb der Produzentengruppe stetig an. Die Finca von Natividad Isabel Nagua ist 4 ha groß. Produziert werden dort v.a. Bananen und Kakao sowie tropische Früchte.
Yony Yanzaguano

UROCAL, Ecuador
Yony Yanzaguano ist 41 Jahre alt und hat zwei Kinder. Er wohnt im Dorf Las Palmas und bewirtschaftet dort eine 7 ha große Finca. Aus Las Palmas kamen vor zehn Jahren die ersten Bananen für BanaFair und Yony Yanzaguano ist seit dieser Zeit dabei. Er produziert Bananen, Kakao und tropische Früchte. Seit drei Jahren bekleidet er in der Asociación Nuevo Mundo, der Vereinigung der Bio-Bananen-Produzenten von UROCAL, das Amt des Schatzmeisters.
Mariela Armijos Loyola

UROCAL, Ecuador
Mariela Armijos Loyola ist 48 Jahre alt und hat fünf Kinder. Sie ist verheiratet mit Joaquín Vásquez, dem Präsidenten von UROCAL, und gehört wie er zu den Gründungsmitgliedern der Organisation. Sie war viele Jahre Promotorin in der Frauenbildungsarbeit von UROCAL und ist bis heute Mitglied der regionalen Frauenvereinigung von UROCAL.
UROCAL ist eine Dachorganisation kleinbäuerlicher Produzent/innen in der südlichen Küstenregion Ecuadors, einem der größten Bananenanbaugebiete des Landes.
UROCAL, die "Regionale Union der Bauernorganisationen der Küstenregionen" vereint gut zwei Dutzend Dorfkooperativen, Produzentenvereinigungen, Frauenkomitees und eine Kreditgenossenschaft mit insgesamt über tausend Mitgliedern. Entstanden ist dieser Dachverband aus den Landkämpfen der sechziger Jahre. Die meisten Familien bewirtschaften Felder zwischen einem und 15 Hektar im Küstenstreifen zwischen den beiden Exporthäfen Guayaquil und Machala. Die Bananen-Bauern von UROCAL gehören zu den ca. 5000 Kleinbauern im Lande, die etwa 60 Prozent der gesamten Bananenproduktion Ecuadors liefern. UROCAL ist der wichtigste Handelspartner für BanaFair und umgekehrt. Die Zusammenarbeit besteht mittlerweile seit zehn Jahren. Seit 2001 ist die Produktion bio-zertifiziert, sowohl nach den Bestimmungen der EU-Bio-Verordnung wie nach den strengeren Kriterien des Anbauverbandes Naturland. Die von BanaFair vermarkteten fairgehandelten Bio-Bananen von UROCAL sind im Übrigen die einzigen Bananen mit Naturland-Siegel!
Zusammen mit der Dominikanischen Republik und Peru hat sich Ecuador in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Lieferländer für Bio-Bananen entwickelt. Vorherrschend allerdings ist wie überall die konventionelle Produktionsweise, die gekennzeichnet ist durch Monokultur, agroindustrielle Großplantagen, massiven Einsatz hochgiftiger Pestizide und allzuoft Verletzung grundlegender Arbeits- und Menschenrechte der Beschäftigten. Aus Ecuador gibt es darüberhianus immer wieder Berichte über ausbeuterische Kinderarbeit.
Das lukrative Geschäft mit den krummen Früchten wird weltweit von nur fünf Großkonzernen beherrscht. Kleinbäuerliche Erzeuger haben wenig Chancen, dem Konkurrenz- und Preisdruck standzuhalten. In Ecuador gibt es ein staatliches Mindestpreissystem. Aktuell gültig ist ein Preis von 4,70 USD, den Exportfirmen eigentlich verbindlich an die Bauern zahlen müssen. Dieser Preis gilt für 18 kg Bananen, also die Standardmenge eines Kartons. Selbst dieser niedrige Preis wird von vielen Firmen häufig unterlaufen. Ankaufpreise von unter einem Dollar sind keine Seltenheit.
BanaFair hingegen zahlt 12 USD an UROCAL, wovon gut 7 USD direkt an die Bauern fließen. Hinzu kommt eine Fairtrade-Prämie für soziale Programme. Seit UROCAL mit BanaFair kooperiert, hat es viele Veränderungen gegeben. UROCAL setzt auf ein Konzept von nachhaltiger Entwicklung, von dem nicht nur die eigenen Mitglieder, sondern die ganze Region profitieren. Der Anbau erfolgt in Mischkultur und Agro-Forst-Systemen. UROCAL bietet fachkundige Beratung an, Fortbildungskurse sowie Programme für Frauen und Jugendliche. Neben der schon erwähnten Kreditgenossenschaft engagiert sich UROCAl auch in einem sozialen Wohnungsbau-Programm. Die Einnahmen aus dem Bananen-Export bieten hierfür die ökonomische Basis: die Bauern erhalten einen deutlich höheren Preis und die zusätzliche Fairtrade-Prämie hilft, die vielfältigen Aktivitäten der Dachorganisation UROCAL zu finanzieren.
Die Gäste von UROCAL werden insgesamt fast fünfzig Termine in Weltläden, Kirchengemeinden, Schulen und Bildungseinrichtungen, bei Hoffesten, Fairen Frühstücken usw. wahrnehmen.
Parallel zu den Rundreisen der Produzent/innen hat BanaFair die Musikgruppe INTI SAMAN eingeladen. Die Band ist aus der Jugendarbeit von UROCAL her-vorgegangen und spielt v.a. traditionelle andine Folklore. INTI SAMAN wird zwölf Konzerte in ganz Deutschland geben.